ICU-Rehab

From A2F to F2A


Newsletter Mai 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir senden Euch den Newsletter zur Frührehabilitation zu. Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Peter, Sabrina, & Marina



STUDIEN

Physiotherapie bei Organspender:innen?

Organtransplantationen sind eine zentrale Therapieoption bei irreversiblem Organversagen, wobei die Optimierung potenzieller Organspender auf Intensivstationen entscheidend für den Transplantationserfolg ist. Unklar bleibt jedoch, welche Rolle die Physiotherapie im Management verstorbener Organspender einnimmt und wie diese in der klinischen Praxis umgesetzt wird. Saunders et al. (2026) führten zu dieser Fragestellung eine Mixed-Methods-Studie mit sequenziellem Design durch, bestehend aus einer nationalen Online-Befragung und ergänzenden semistrukturierten Interviews unter Intensivphysiotherapeut:innen im Vereinigten Königreich. Insgesamt nahmen 56 Personen an der Befragung und sieben an den Interviews teil. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Variabilität in der physiotherapeutischen Versorgung. Etwa 52% der Befragten waren regelmäßig in das Spender-Management eingebunden. Häufige Therapieziele waren Sekretmobilisation (49%) und Lungenoptimierung (45%), wobei endotracheales Absaugen (95%), Lagerung (71%) und manuelle Techniken (71%) dominierende Interventionen darstellten. Gleichzeitig verfügten nur 5% der Befragten über lokale Leitlinien, und lediglich 16% berichteten von spezifischen Schulungen. In den qualitativen Interviews mit sieben Therapeut:innen wurden als zentrale Barrieren fehlende Standardisierung, ethische Unsicherheiten und Herausforderungen im Umgang mit Angehörigen benannt. Limitationen umfassen mögliche Selektionsbias, eine unklare Repräsentativität der Stichprobe sowie Einschränkungen durch das Studiendesign. Die Autor:innen schlussfolgern, dass trotz positiver Haltung gegenüber der Physiotherapie ein dringender Bedarf an standardisierten Leitlinien, Schulungen und weiterer Forschung besteht. Im deutschsprachigen Raum wird allgemein eine lungenprotektive und -optimierende Versorgung empfohlen (DSO Empfehlungen, ÖBIG-Leitfaden), eine Beteilung von Therapeut:innen wird lediglich in der Schweiz am Rande hervorgehoben Link https://www.swisstransplant.org/fileadmin/user_upload/Modul-3_Behandlung_Erwachsener_Spender_DE_2026.pdf Bis im deutschsprachigen Raum einheitliche Regelungen gefunden werden, sind individuelle Entscheidungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Vor- und Nachteile empfehlenswert.
Saunders S, Swingwood E, van Willigen Z, Rand S, Shannon H.
Physiotherapy in deceased organ donation: A mixed methods study of current practice and perceptions amongst UK-based intensive care physiotherapists. J Intensive Care Soc. 2026 Mar 20:17511437261423807.

Dosierung
Frühmobilisation bei beatmeten Intensivpatient:innen gilt als zentrale Maßnahme zur Förderung der funktionellen Erholung, jedoch bleibt unklar, welche „Dosis“ an Mobilisation tatsächlich hilfreich oder potenziell schädlich ist. Serpa Neto et al. (2026) führten eine Post-hoc-Analyse der internationalen TEAM-Studie mittels sogenannter „Target Trial Emulation“ durch. Eingeschlossen wurden 741 invasiv beatmete Intensivpatient:innen aus 49 Kliniken in sechs Ländern. Analysiert wurde, ob längere Mobilisationszeiten bei unterschiedlichen Mobilitätsniveaus mit besseren oder schlechteren Outcomes verbunden waren. Die Ergebnisse zeigten, dass längere Mobilisationseinheiten insbesondere dann mit einer höheren Sterblichkeit verbunden waren, wenn Patient:innen nur geringe Mobilitätsstufen erreichten, etwa lediglich im Bett mobilisiert wurden oder nicht stehen konnten (≤20 Minuten bei IMS Stufe ≤ 2). Sobald jedoch ein Mobilitätsniveau erreicht wurde (≤20 Min. bei IMS Stufe 4), das mindestens dem freien Stehen entsprach, zeigte eine längere Mobilisation keine nachteiligen Effekte mehr. Die Autor:innen schlussfolgern, dass nicht die Dauer allein entscheidend ist, sondern die individuelle körperliche Belastbarkeit und das tatsächlich erreichte Aktivitätsniveau.
Serpa Neto A, Bailey M, Seller D, et al. TEAM Study Investigators and the ANZICS Clinical Trials Group. Impact of mobilization dose on outcome of critically ill patients receiving mechanical ventilation-a target trial emulation using data from the TEAM trial. Am J Respir Crit Care Med. 2026 Mar 1;212(3):500-510
Link

Rehabilitation
Hodgson et al. (2026) veröffentlichten eine narrative Übersichtsarbeit auf Basis randomisiert-kontrollierter Studien, Meta-Analysen und internationaler Leitlinien zur Rehabilitation kritisch kranker Patient:innen. Die Autor:innen beschreiben, dass frühe und schrittweise Mobilisation auf Intensivstationen sicher ist und nur selten mit unerwünschten Ereignissen verbunden war. Frührehabilitation konnte Muskelkraft, funktionelle Selbstständigkeit und Mobilität verbessern sowie Aufenthalte auf Intensivstation und im Krankenhaus verkürzen. Zusätzlich zeigte die Evidenz positive Effekte auf Delir, Schlafqualität und langfristige kognitive Erholung. Besonders betont wird die Bedeutung multiprofessioneller Zusammenarbeit zwischen Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Ernährungsmedizin, Pharmazie und Psychologie. Rehabilitation wird dabei als kontinuierlicher Prozess verstanden, der von der Intensivstation über die Normalstation bis in ambulante und gemeindenahe Versorgungsstrukturen reicht. Nach der Entlassung werden strukturierte Nachsorgeprogramme, Post-ICU-Recovery-Kliniken, digitale Unterstützungsangebote sowie koordinierte intersektorale Übergänge empfohlen, um körperliche, psychische und soziale Langzeitfolgen besser aufzufangen. Gleichzeitig weisen die Autor:innen darauf hin, dass die praktische Umsetzung weltweit weiterhin durch Personalmangel, Sedierungspraktiken und organisatorische Barrieren erschwert wird.
Hodgson CL, Ayre E, Broadley T, Burry L, Casey K, Dale C, Eggmann S, Freeman-Sanderson A, Kho ME, Paton M, Ridley EJ, Rose L, Schaller SJ, Herridge MS. Standard of care for rehabilitation in critical illness. Intensive Care Med. 2026 Apr 30.
Link


NEWSTICKER
Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst…

REHABILITATION

Kognitive Reha: in einer systematischen Übersichtsarbeit mit 27 Studien werden zur kognitiven Rehabilitation nach kritischer Erkrankungen empfohlen: Orientierung und multisensorische Stimulation; ADL-fokussierte Ergotherapie; Frühmobilisierung und Training; Musik oder Virtuelle Realität. Lassen et al (2026) Link

Kognitive Reha II: In einer fünfarmigen randomisierten Machbarkeitsstudie mit 83 von 1679 gescreenten Intensivpatient:innen zeigte eine kognitive Rehabilitationsintervention (ICU CogHab) eine eingeschränkte Durchführbarkeit mit niedriger Rekrutierung und 40 % Follow-up nach 6 Monaten sowie variabler Datenerhebung. Beispielhafte randomisierte Machbarkeitsstudie von Astrup et al (2026) aus Dänemark Link

Mobilisierung nach Schlaganfall: Ein interdisziplinäres Schweizer Expert:innengremium entwickelte eine praxisorientierte Empfehlung zur standardisierten Frühmobilisation nach Schlaganfall, die mangels klarer Evidenz zur Dosierung auf Literatur, klinischer Expertise und lokalen Strukturen basiert und ab 2026 implementiert werden soll. Positionspapier von Betschart et al. (2026) Link

Mobilisierung nach SAB: In einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 102 Patient:innen nach Subarachnoidalblutung wurden 88,2% innerhalb von 14 Tagen mobilisiert, wobei 65,2% der stabileren Patient:innen selbstständig gingen, während Instabilität in 32% der Einheiten die Mobilisation verhinderte. Prospektive Beobachtungsstudie von Hernandez et al (2026) aus Australien Link

Mobi bei ECMO: Bei 16 Pflege- und Physiotherapiefachpersonen aus fünf australischen ECMO-Zentren wurden interprofessionelle Zusammenarbeit, Schulungen, Leitlinien, personelle und technische Ressourcen sowie Teamkultur als zentrale Faktoren für die sichere Umsetzung von Frühmobilisation bei ECMO-Patient:innen identifiziert. Ng et al (2026) aus Australien Link

Mobi nach Disziplin: Bei 172 Patient:innen auf neurochirurgischen, chirurgischen und internistischen Intensivstationen zeigten sich unterschiedliche Mobilitätsverläufe, wobei neurochirurgische Patient:innen die niedrigsten Mobilitätsscores aufwiesen und sich erst bis Tag 28 verbesserten, während internistische Patient:innen ihren höchsten Mobilitätsstatus bereits am 7. Tag erreichten. Beobachtungsstudie von Pacheco et al (2026) aus Chile Link

Kontinuität: In einem zweiphasigen Entwicklungsprozess mit 76 Ausgangsressourcen sowie 33 Patient:innen, Angehörigen und Fachpersonen wurde ein verständliches Informationspaket mit Booklets und Flyern für Verlegungen von der Intensivstation auf Normalstationen entwickelt, das als hilfreich für Orientierung, Kommunikation und psychosoziale Unterstützung bewertet wurde. Fiest et al (2026) aus Kanada Link

Paare: Bei 200 kritisch kranken Patient:innen und ihren Angehörigen war Frühmobilisation innerhalb der ersten 48 Stunden im Vergleich zur Standardversorgung nach sechs Monaten mit einer geringeren gemeinsamen psychischen Belastung in Survivor-Caregiver-Dyaden assoziiert (32,5% vs. 54,8%; OR 0,34; p = 0,046), ohne anhaltende individuelle Effekte auf Angst oder Depression. Letter von Kang et al (2026) aus Korea Link

Heimbehandlung: Diese systematische Literaturrecherche und Meta-Analyse ging der Frage nach ob eine Heimbehandlung oder die Kombination aus ambulant/Heimbehandlung die körperliche Funktion in beatmeten kritisch kranken Personen verbessert. Insgesamt wurden 11 Studien eingeschlossen, die Frage ließ sich jedoch nicht vollständig beantworten (kleine Effekte). Pengpala et al. (2026) Link


DELIR

Jugendlich: In einer qualitativen Einzelfallstudie mit einem 16-jährigen Intensivüberlebenden zeigte sich, dass pädiatrisches Delir durch belastende Halluzinationen und Kontrollverlust erlebt wird und gemeinsam mit der Mutter Strategien zur zukünftigen Bewältigung entwickelt wurden. Qualitative Einzelfallstudie von Stenkjaer et al (2026) aus Dänemark Link

Besuchszeiten: In einer retrospektiven Studie mit 264 kritisch kranken Intensivpatient:innen reduzierte ein offenes Besuchsmodell (24 h) im Vergleich zu eingeschränkten Besuchszeiten (0,5-1h) Delir signifikant (11,4% vs. 25,8%) sowie Beatmungsdauer, Liegezeit und Angstwerte und verbesserte die Therapieadhärenz. Retrospektive Studie mit einigen Schwächen von Xu et al (2026) aus China Link

Intensivtagebücher: Bei 208 Patient:innen mit schwerem Trauma führte ein innerhalb der ersten 48 Stunden initiiertes pflegegeleitetes Intensivtagebuch im Vergleich zur Standardversorgung nach 12 Monaten zu keiner Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität oder der PTSD-Symptomatik. Benazzouz et al (2026) aus Frankreich Link


FAMILIENINTEGRATION:

Stimmen zur Reorientierung: In sieben randomisierten Studien mit 582 Intensivpatient:innen reduzierten Familienstimmen-Interventionen im Vergleich zur üblichen Versorgung die Delirinzidenz signifikant (OR 0,39; 95%KI 0,26–0,58) und verkürzten die Delirdauer um etwa einen Tag. Systematisches Review und Meta-Analyse von Peschel et al. (2026) Link

Besuchsregelung Pädiatrie: In 59 pädiatrischen Intensivstationen in der Türkei erlaubten 78% der Stationen eine 24-stündige Anwesenheit eines Elternteils bei nicht intubierten Kindern, während 91,5% weiterhin andere restriktive Besuchsregelungen hatten, 67,8% Geschwisterbesuche untersagten und keine Station Familienanwesenheit bei invasiven Maßnahmen oder Reanimation erlaubte. Emeksiz et al (2026) Link


OUTCOME

Status: In 13 Beobachtungsstudien mit 3.951.677 Patient:innen war ein niedriger sozioökonomischer Status bei Sepsis oder septischem Schock mit erhöhter Mortalität assoziiert, insbesondere fehlende Privatversicherung (aOR 1,34), niedriger Wohngebietsstatus (aOR 1,35) und geringes Einkommen (aOR bis 1,51). Systematisches Review und Meta-Analyse von Almoosawy et al. (2026) Link

Soziale Gebrechlichkeit: Bei 44 Teilnehmenden, darunter 27 Sepsisüberlebende, 6 Angehörige und 11 Mitarbeitenden aus dem Vereinigten Königreich, zeigte sich soziale Gebrechlichkeit nach kritischer Erkrankung als relevantes Phänomen, das durch finanzielle Unsicherheit, eingeschränkte soziale Interaktionen, therapiebezogene Belastungen sowie familiäre und soziale Herausforderungen geprägt war und negativ mit körperlichen und psychischen Outcomes zusammenhing. Qualitative Multicenter-Studie von McPeake et al (2026) aus dem UK Link

Ethicus-2: In einer multinationalen prospektiven Studie mit 12.200 Intensivpatient:innen waren Therapiebegrenzungen am Lebensende bei über 80-Jährigen häufiger (OR 1,47) als bei unter 65-Jährigen, wobei Hauptgründe fehlendes Ansprechen auf maximale Therapie sowie neurologische und chronische Erkrankungen waren und das Alter selbst selten ausschlaggebend war. Multinationale prospektive Beobachtungsstudie von Nagata et al. (2026) Link

CHX-Waschungen: in einer Meta-Analyse mit 10 Studien und 33.860 Patient:innen im Krankenhaus zeigte die Verwendung von Chlorhexidin 0,2% vs. Wasser und Seife keine Vorteile für Mortalität (RR 0,93) oder andere klinische Verschlechterungen (SMD -0,09). De Souza et al (2026) Link

Reha zu Hause: In 11 Studien verbesserten häusliche oder ambulant-häusliche Rehabilitationsprogramme nach Intensivaufenthalt mit invasiver Beatmung die körperliche Funktion von Patient:innen leicht, unter anderem im 6-Minuten-Gehtest und in der körperlichen SF-36-Funktionsskala, trotzdem waren die Effekte gering. Meta-Analyse von Pengpala et al (2025) Link

Hypokapnie bei SHT: In 37 Studien mit 51.373 Patient:innen mit akuter Hirnschädigung war eine Hypokapnie (PaCO <35 mmHg) mit einer um etwa 30% erhöhten Sterblichkeit sowie bei 3.814 Patient:innen mit mehr als doppelt so häufig schlechten neurologischen Outcomes assoziiert, insbesondere bei schwerer Hypokapnie (PaCO <32 mmHg) und traumatischer Hirnverletzung. Meta-Analyse von Romero-Garcia et al. (2026) Link

Inhalative Sedierung bei ARDS: In acht Studien mit 1440 Patient:innen mit ARDS war inhalative Sedierung im Vergleich zur intravenösen Sedierung mit einer ähnlich hohen Sterblichkeit und Beatmungsdauer, jedoch mit etwa zwei Tagen kürzerer Intensivstationsverweildauer, besserer Oxygenierung und gleichzeitig häufigerem akuten Nierenversagen assoziiert. Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse Yao et al. (2026) Link

Coping: Bei 11 ehemaligen Intensivpatient:innen mit mindestens sieben Tagen invasiver Beatmung wurden 7-13 Monate nach ICU-Entlassung anhaltende körperliche, psychische, kognitive und soziale Belastungen beschrieben, wobei Betroffene unterschiedliche problem- und emotionsorientierte Bewältigungsstrategien sowie soziale Unterstützung zur Verarbeitung ihrer Erfahrungen nutzten. Ruch et al (2026) aus der Schweiz Link

GEMISCHTES

ARDS: Bei Patient:innen mit moderat–schwerem ARDS ist eine rechtsventrikelprotektive Beatmung (!) als ergänzende Strategie zur Lungenprotektion mit potenziell verbesserter Hämodynamik und möglicherweise geringerer Mortalität verbunden, da eine RV-Schädigung das Sterberisiko erhöht. Narrativer Review von Slobod et al. (2026) Link

Alte Intensivpatient:innen: Bei älteren Intensivpatient:innen werden aufgrund alters- und krankheitsbedingter Veränderungen der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik eine Analgesie-first-Strategie, protokollbasierte leichte Sedierung, konsequentes Delirmanagement, der Verzicht auf Benzodiazepin-Dauerinfusionen sowie eine PK-/PD-orientierte Antiinfektivatherapie mit täglicher Dosisanpassung und therapeutischem Drugmonitoring empfohlen. Narratives Review von Schubert et al. (2026) Link
Dazu ein OMW von Janssens et al (2026)
Link

Bixonimanie: in einem Experiment mit einer erfundenen Erkrankung zeigten mehrere große KI-Chatbots, dass sie falsche medizinische Informationen aus zwei Fake-Studien übernehmen und anderen Nutzer:innen als reale Diagnose ausgeben sowie diese teils sogar in wissenschaftlicher Literatur zitiert wurden. Feature-Artikel von Stokel-Walker et al. (2026) Link

One Minute Wonder: werden seit 2015 als niederschwellige Fortbildungsmethode im klinischen Alltag eingesetzt, bei der kompakte Lernposter an Warteorten wie Blutgasanalysengeräten interprofessionelles Lernen in etwa einer Minute ermöglichen und mittlerweile in verschiedenen intensiv- und notfallmedizinischen Settings im deutschsprachigen Raum etabliert sind. Editorial von Krüger et al (2026) Link

Nonverbale Kommunikation: In einer qualitativen Videoanalyse von 35 Arzt-Angehörigen-Gesprächen auf der Intensivstation zeigten Ärzt:innen charakteristische nonverbale Kommunikationsmuster (z. B. Blickkontakt, Kopfbewegungen in 91%, Schweigen nach belastenden Mitteilungen in 57%), wobei Empathie überwiegend paraverbal und verbal vermittelt wurde. Qualitative Beobachtungsstudie von Renet et al (2026) aus den USA Link

Gender: In einer internationalen Delphi-Studie mit 57 bewerteten Aussagen wurden 37 Kernempfehlungen zur Geschlechtergerechtigkeit in der Intensivmedizin entwickelt, darunter gleiche Bezahlung, diskriminierungsfreie Rekrutierung, genderneutrale Kommunikation, vielfältige Repräsentation, gezielte Förderung unterrepräsentierter Gruppen sowie verbindliche Strukturen für Diversität, Monitoring und Training. Delphi-Konsensusstudie von Myatra et al. (2026) Link

Bleiben oder wechseln: Bei 1243 Intensivfachpersonen aus Medizin, Pflege und anderen in Deutschland berichteten 45,4% eine Bleibeabsicht, 23,2% eine Wechselabsicht und 31,2% Unentschlossenheit, wobei höhere Arbeitszufriedenheit und Familienfreundlichkeit mit einer stärkeren Mitarbeiterbindung assoziiert waren, während rotierende Tag-Nacht-Schichten die Wechselabsicht erhöhten. Umfrage von Deininger et al. (2026) Link


LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE

PICS: ein Positionspapier der American Association for the Surgery of Trauma Critical Care Committee zu PICS Link

PADIS aus NL: Die Kolleg:innen aus den Niederlanden haben eine PADIS (Pain, analgesia/sedation, delirium, immobility and sleep disturbances) Leitlinie herausgebracht: Boogaard et al (2026) Link

Blutdruck nach Schlaganfall: ein Update der Europäischen Stroke Organisation zu Blutdruckzielen nach Re-Perfusion, Thrombolyse oder Thromectomie: Sandset et al (2026) Link




Was wir nicht erwähnt haben: zugegeben, die Auswahl der hier berichteten Studien ist willkürlich und interessiert Euch hoffentlich. Dennoch gibt es in jedem Newsletter Studien, die wir bewusst nicht erwähnen, weil sie u.a. im Volltext in uns fremden Sprachen, in umstrittenen Fake-Science-Verlagen, mit fragwürdigen Methoden, Ergebnissen oder Schlussfolgerungen oder aus ähnlichen Gründen publiziert worden sind.
Aber auch wir lesen nicht alles: sollten wir eine erwähnenswerte Studie übersehen haben, so sind wir dankbar für einen Hinweis!


Bleibt in Bewegung und bleibt gesund
Im Namen der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation grüßen

Peter Nydahl, Sabrina Eggmann und Marina Ufelmann


PD. Dr. Peter Nydahl, GKP, BScN MScN, Pflegeforschung und -entwicklung, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland
Dr. Sabrina Eggmann, Physiotherapeutin, MSc, Institut für Physiotherapie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Schweiz & Intensivmedizin und Neonatologie, Universitätskinderspital Zürich, Universität Zürich, Schweiz
Marina Ufelmann, GKP, BScN, MScN, ANP und stellv. Sprecherin der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, Klinikum rechts der Isar in München, Deutschland



Diese Website setzt u.U. nur technisch notwendige Cookies. Daten zu Drittanbietern werden anonymisiert.