Wir hoffen, dass es Euch allen gut geht. Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt. Neu dabei im Newsletter-Team ist Maria Brauchle aus Österreich, die sich um familienzentrierte Versorgung kümmern wird. Willkommen im Team, Maria!
Viel Spaß beim Lesen des Newsletters! Maria, Marina, Sabrina & Peter
STUDIEN
Tool zur Betreuung von Langzeitpatient:innen
Langzeitpatient:innen (> 7 Tage) haben ein hohes Risiko für Langzeitfolgen (PICS) und brauchen entsprechend eine spezifische Betreuung. Worauf allerdings geachtet werden soll ist oft unklar. Ein erstes Instrument haben wir in einem früheren Newsletter vorgestellt “Recover25” (Allum et al. 2024). Nun wurde dieses Tool in einer mixed-method Studie implementiert und überprüft. Es wurde die Zeit für die Erfassung von Recover25, die Anzahl und Art der Maßnahmen, die nach der Anwendung von Recover25 ausgelöst wurden (d.h. welche neuen Pflege-/Therapieaktivitäten wurden ausgelöst), und die Anzahl und den Beruf der Mitarbeitenden, die an jeder Runde teilnahmen erfasst. Gemäß dem Theoretical Framework of Acceptability (TFA) wurden halbstrukturierte Interviews mit Kliniker:innen geführt. Insgesamt wurde „Recover25“ 34 mal (65 %) von 52 Gelegenheiten bei 26 Patient:innen genutzt. Der Median (IQR) der Recover25-Erfassungszeit betrug 9,75 Minuten (8,2-14,9 Minuten) mit einer Abschlussrate von 96 % (89-100 %). Die Anwendung von Recover25 führte im Median zu 1 (IQR) (1-2) neuen Maßnahmen. So wurden beispielsweise der Beginn/Fortführung eines Tagebuchs 16 (47%), die Überweisung an eine Psycholog;in 7 (21%), die Umsetzung von Schlafstrategien 7 (21%), die Überprüfung der Ernährung 3 (9%), Aktivitäten gegen Langeweile 3 (9%) oder die Überprüfung von Rehabilitationsstrategien 3 (9%) umgesetzt. An jeder QI-Runde nahmen im Durchschnitt 4 (sd 2) interprofessionelle Teammitglieder teil. Neunzehn Kliniker:innen füllten 33 TFA-Fragebögen und 11 Interviews aus. Recover25 wurde als akzeptabel empfunden: 94% gaben an, dass es mit ihren Grundsätzen guter Pflege/Therapie übereinstimmt, 85% hielten es für eine kohärente Intervention und 67% hielten es für wirksam. Durch die strukturierte, interprofessionelle Erfassung hat Recover25 insbesondere die Kapazität fehlende Therapien/Pflege früh zu identifizieren und anzugehen. Zudem ist das Tool sehr personen-zentriert und individuell einzusetzen, wobei auch Patient:innen mit einbezogen werden.
1. Studie: Allum et al. Codesign of a Quality Improvement Tool for Adults With Prolonged Critical Illness: A Modified Delphi Consensus Study. Critical Care Explorations 6(9):p e1146 Link 2. Studie: Allum et al. Implementation of a Quality Improvement Tool “Recover25” to Guide the Care of Patients Experiencing Prolonged Critical Illness: A Mixed-Method Feasibility Study Link
Verläufe im Delir Delir ist eine häufige und potenziell folgenschwere Komplikation bei kritisch kranken Intensivpatient:innen. Es geht mit erhöhtem Risiko für Morbidität, Mortalität, Institutionalisierung und langfristigem kognitiven Abbau einher. Vor diesem Hintergrund untersuchte die vorliegende Studie, ob sich unterschiedliche Verläufe (sogenannte Trajektorien) der Delirschwere identifizieren lassen und ob diese mit klinischen Merkmalen oder der 30-Tage-Sterblichkeit nach Entlassung assoziiert sind. Lindroth et al. (2025) führten zu dieser Fragestellung eine retrospektive Kohortenstudie durch. Eingeschlossen wurden 21.071 erwachsene Patient:innen aus 14 medizinisch-chirurgischen Intensivstationen in Alberta, Kanada, deren Aufenthaltsdauer mindestens 24 Stunden betrug und bei denen ein Delir (ICDSC ≥4) vorlag. Die Delirschwere wurde über sieben Tage hinweg mithilfe der „Intensive Care Delirium Screening Checklist“ (ICDSC) zweimal täglich erfasst. Mittels gruppenbasierter Trajektorienmodellierung (GBTM) wurden fünf unterschiedliche Verläufe der Delirschwere identifiziert: 1. Leicht-kurz (Mild-Brief, 19,4%): Subsyndromales Delir mit niedrigen ICDSC-Werten über die gesamte Beobachtungszeit, stabile Symptomatik. 2. Schwer-schnelle Erholung (Severe-Rapid Recovers, 18,5%): Initial hohe Delirschwere mit rascher Besserung innerhalb von 48 Stunden; geringste Sterblichkeit und niedrigste Krankheitslast. 3. Schwer-langsame Erholung (Severe-Slow Recovers, 31%): Zu Beginn hohes Delirniveau mit langsamer Besserung über sieben Tage; häufiger bei neurologischen Ursachen, höherem SOFA-Score und längerer Beatmung. 4. Leicht-zunehmend (Mild-Accelerating, 14,1%): Anfangs leichte Symptomatik mit zunehmender Delirschwere im Verlauf; assoziiert mit der höchsten 30-Tage-Sterblichkeit. 5. Schwer-andauernd (Severe-Nonrecovers, 16,9%): Persistierendes, schweres Delir über die gesamte Woche; häufig bei neurologischen Ursachen, männlichem Geschlecht und hohem SOFA-Score. Die Analyse ergab, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Verläufen mit klinischen Faktoren wie Alter ≥70 Jahre, neurologischer oder chirurgischer Aufnahmeindikation, Beatmungsdauer ≥96 Stunden, Einsatz von vasoaktiven Medikamenten und Nierenersatzverfahren assoziiert war. Während es keine signifikant statistische Verbindung zwischen Trajektorien und 30-Tage-Mortalität gab, zeigten sich klinisch relevante Trends: Insbesondere Patient:innen mit einem zunehmend schwerer werdenden Delir (Verlauf „leicht-zunehmend“) wiesen die ungünstigsten Überlebensraten auf. Die Autor:innen schließen, dass diese Studie den konzeptuellen Nachweis für fünf unterschiedliche zeitliche Verläufe der Delirschwere erbringt. Diese sogenannten temporalen Phänotypen könnten als Grundlage für künftige Studien zur biologischen Charakterisierung von Delirsubtypen (Sub- und Endotypen) dienen. Perspektivisch lassen sich daraus individualisierte Präventions- und Interventionsstrategien ableiten. Lindroth H, Fiest KM, Lee CH, Adefila K, Lee JB, Khan S, Khan BA, Boustani MA, Krewulak KD. Delirium Severity Trajectories in Critically Ill Adults Using the Intensive Care Delirium Screening Checklist: A Population-Based Cohort. Crit Care Med. 2025 Jun 26 Link
ECMO und Fahrradergometer Die Mobilisation kritisch kranker Patient:innen unter ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) stellt eine besondere Herausforderung in der Intensivtherapie dar. Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die verfügbene Evidenz zur Anwendung von Fahrradergometern in der Rehabilitation erwachsener ECMO-Patient:innen zu untersuchen. Rodrigues et al. (2025) führten eine Scoping Review nach den Leitlinien des Joanna Briggs Institute und dem PRISMA-ScR-Standard durch. Die Literaturrecherche umfasste zehn Datenbanken, darunter MEDLINE, CINAHL, Embase, Web of Science und die Cochrane Library, und berücksichtigte Studien bis Dezember 2024. Insgesamt wurden 16 Studien mit 332 Patient:innen eingeschlossen. Die Nutzung des Fahrradergometers variierte stark hinsichtlich Zeitpunkt, Dauer, Intensität und Modalität (passiv, aktiv-assistiv, aktiv). Meist war das Ergometer Teil eines multimodalen Mobilisationsprogramms. Nur wenige Studien dokumentierten adverse Ereignisse, was auf eine hohe Sicherheit der Maßnahme hindeutet. Die Anwendung an den oberen Extremitäten fand nicht statt. Studien zeigten Verbesserungen der Muskelkraft, Mobilität und funktionellen Status. Die Autor:innen berichten, dass in der Mehrzahl der Studien keine Komplikationen im Zusammenhang mit dem Einsatz des Fahrradergometers auftraten. Vereinzelte unerwünschte Ereignisse, wie z.B. ein Hämatom oder eine Thrombose, wurden nicht eindeutig auf die Nutzung des Ergometers zurückgeführt, was auf eine insgesamt hohe Sicherheit der Methode hinweist. Methodische Limitationen betreffen vor allem die geringe Qualität der Primärstudien, fehlende Standardisierung (z.B. FITT-Kriterien), kleine Fallzahlen und unzureichende Beschreibung der Interventionen. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung zu Zeitpunkt, Dosierung und Wirkung des Fahrradergometers. Für die Intensivmedizin in Deutschland liefert diese Arbeit wichtige Impulse zur Etablierung sicherer Frührehabilitation bei ECMO-Patient:innen. Rodrigues P, Guimarães PA, Ferreira LM, Fernandes CS. Cycle ergometers in extracorporeal membrane oxygenation patient rehabilitation: A scoping review. Aust Crit Care. 2025 Jun 26;38(5):101287. doi: 10.1016/j.aucc.2025.101287 Link
NEWSTICKER Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst…
REHABILITATION
CPAx: eine kurze, einseitige Zusammenfassung über die Gütekriterien und die praktische Anwendung des CPAx und was für die Wahl für das Messinstrument spricht. Eggmann & Paton (2025) Link
Rehabilitation: die Muskelschwäche, die nach der Intensivstation besteht, wird von verschiedenen molekularen, zellulären und systemischen Faktoren beeinflusst und muss daher multidimensional und dynamisch behandelt werden. Übersichtsarbeit von Pierre et al. (2025) Link
Träume: In einer niederländischen Umfrage mit 80 Überlebenden der Intensivstation gaben 80 % an, Träume auf der Intensivstation gehabt zu haben, 73 % berichteten von "lebensechten" Träumen, 49 % hatten negative Träume und 55 % konnten nicht zwischen Traum und Realität unterscheiden. Van der Hoeven et al (2025) Link
Schwierige Angehörige: Familien und Bezugspersonen von Intensivpatient:innen tragen maßgeblich zur Genesung bei, können jedoch auch herausfordernd sein. In diesem Übersichtsbeitrag werden verschiedene Lösungen vorgestellt. Nydahl et al. (2025) Link Prof. Janssens hat dazu von sich aus Podcasts/Videozusammenfassungen gemacht. Teil1 Link und Teil2 Link
Curriculum: die Teilnahme an einem simulationsbasierten Curriculum zur Frühmobilisierung in der Pädiatrie führte bei 11 Pflegefachpersonen zu einem verbesserten Selbstvertrauen, Wissen und Kompetenz. LaRosa et al. (2025) aus den USA Link
VR: Verschiedene Virtual-Reality-Programme können die Frühmobilisation fördern, indem sie bewegungsbasierte Programme und virtuelle Umgebungen nutzen, um eine gesteigerte Aktivität, mehr Vielfalt an Bewegungen, Motivation und Behandlungszufriedenheit anzuregen. Übersichtsarbeit von Li et al. (2025) Link
iREHAB: Studienprotokoll zur 6-wöchigen Rehabilitation nach der Entlassung von Intensivpatient:innen mit wöchentlichem Symptommanagement, adaptierte Übungen, psychologische Beratung und Unterstützung durch ehemalige Patient:innen. O’Neill et al (2025) aus dem Vereinigten Königreich. Link
Tiergestützte Therapie: In einer Online-Umfrage von 63 Intensivstationen in Australien und Neuseeland gaben 44% an, dass tiergestützte Programme auf ihren Intensivstationen aktuell oder in der Vergangenheit durchgeführt wurden. Alle Programme setzten Hunde ein, richteten sich an Patient:innen und forderten sowohl von Personal als auch von Patient:innen Händehygiene. Die Tiere mussten vor dem Besuch gebadet und gebürstet werden und durften sich nur angeleint auf der Station bewegen. Es wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet. Häufige Hürden bei der Umsetzung tiergestützter Angebote waren fehlende Programmstarts, Personalmangel, hygienebezogene Richtlinien und begrenzte finanzielle Mittel. Wow! Ranse et al (2025) Link
Prähabilitation, um das Post Intensive Care Syndrom zu vermeiden, bzw. zu vermindern. Schöne Übersichtsarbeit von Rousseu et al (2025) Link
Voice-Weaning: in einer randomisierten Studie mit 45 beatmeten Intensivpatient:innen mit neurologischen Erkrankungen führten Weaningversuche, bei denen jeweils für 10 Minuten motivierende Sätze von Angehörigen vorgespielt worden sind („Du schaffst das! Atme weiter ein und aus“ usw.) im Vergleich zu keiner Intervention zu einer kürzeren Beatmungsdauer (Diff. -19h) und weniger Weaningversagen (Diff. -9%). Sprügel et al (2025) aus Erlangen Link
Ernährung: in der akuten Phase einer kritischen Erkrankung können sowohl eine vollkalorische Ernährung wie auch Fasten zu mehr Schaden als Nutzen führen, aber wie erkennen wir den Punkt, ab dem Ernährung und Mobilisierung dynamisch angepasst werden können? Editorial von Vanderwegen et al (2025) Link
Intensivtagebücher: in einer Meta-Analyse mit 10 RCTs geringer bis moderater Qualität und 1.081 Intensivpatient:innen führten Intensivtagebücher im Vergleich zur üblichen Versorgung zu einer signifikanten und fast 50% Reduktion des Risikos für Posttraumatische Belastungsstörung; für Angst und Depression ließen sich diese Effekte nicht nachweisen. Peschel et al (2025) Link
DELIR
Meta-Analysen: in einem Umbrella-Review mit 59 systematischen Übersichtsarbeiten und 110 Meta-Analysen mit 485 einzelnen RCTs und 172.045 Patient:innen aus verschiedenen Populationen und Settings zur Prävention und Therapie des Delirs zeigten sich verschiedene pharmakologische und pflege-/therapeutische Interventionen in den jeweiligen Populationen und Settings als effektiv. Delirprävention bedarf spezifischer Interventionen. Veronese et al (2024) Link
Pädiatrie: die Häufigkeit eines Delirs bei 311 Kindern nach kardiochirurgischen Eingriffen lag bei 40,2%, verschiedene Risikofaktoren wie Alter, Beatmung, kardiales Output usw. wurden identifiziert. Schumann et al (2025) aus Hamburg Link
Benzodiazepine: In einer Kohorte von 928 Patienten, die sich einer elektiven Operation unterzogen hatten, war die Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen mit einem postoperativen Delir verbunden, nicht jedoch eine Prämedikation mit Benzodiazepinen. Starks et al (2025) aus Berlin Link
Agitation: in einer Delphistudie mit 114 Mitarbeitenden wurden Empfehlungen zur Behandlung von Agitation bei Intensivpatient:innen entwickelt: Betreuungsprinzipien, Bewertung von Agitation, Identifizierung und Behandlung von Ursachen von Agitation, Verhalten von Betreuern und Entwicklung vertrauensvoller Beziehungen, familiäre Beteiligung, psychosoziale Bedürfnisse, körperliche Bedürfnisse, individuelle Betreuung und kontextbezogene Interventionen. Adams et al (2025) aus Dänemark Link
Pflegeforschung: In einer Delphistudie mit 10 Pflegeforscher:innen wurden zentrale Maßnahmen zur Präventionen des Delirs identifiziert: Frühmobilisierung, Bewegungsinterventionen, Sedierungspausen zum Weaning, routinemäßige Delirüberwachung, kognitives Training/Übung, Reduzierung von Licht, Lärm und Pflegeaktivitäten in der Nacht, offene Besuchszeiten und Beteiligung der Familie. Beerens et al (2025) Link
Guter Weg: das Delir-Netzwerk hat 2024 eine Umfrage zum Delirmanagement auf deutschen Intensivstationen gemacht und die Ergebnisse mit einer Umfrage 2016 verglichen. In 8 Jahren hat sich viel getan, wir sind auf einem guten Weg, sind aber noch nicht am Ziel. Monke et al. (2025) Link
FAMILIENINTEGRATION:
Familienintegration I: Eine systematische Übersichtsarbeit aus China untersucht, wie Familienangehörige die Beteiligung an der Pflege von erwachsenen Intensivpatient:innen unter dem Konzept der familienzentrierten Versorgung erleben. Familien sehen sich selbst als wichtige emotionale und pflegerische Unterstützer und möchten aktiv in Pflege und Entscheidungsprozesse eingebunden sein. Ihre Beteiligung reicht von emotionaler Begleitung über einfache pflegerische Tätigkeiten bis hin zur Mitwirkung bei Gesprächen und Visiten. Gleichzeitig zeigen sich Barrieren wie unklare Rollen, fehlende Anleitung, Kommunikationsprobleme und strukturelle Hürden. Die Studie betont, dass eine gelungene Familienintegration klare Rahmenbedingungen, Schulung und eine wertschätzende Haltung des Behandlungsteams voraussetzt. Viele ihrer Erkenntnisse korrespondieren mit aktuellen Leitlinien, etwa der SCCM-Guidelines 2024 zu „Family centered care in adult ICUs“ Liu et al (2025) Link
Familienintegration II: in einer Umfrage bei Pflegefachpersonen, wie Familien bei der Betreuung von Intensivpatient:innen mit Delir integriert werden können, wurden sechs Themen identifiziert: 1) Die Wahl des richtigen Zeitpunkts, um die Familie einzubeziehen, 2) Die Bedeutung des Informationsaustauschs, 3) Der Einfluss von Familienmerkmalen, 4) Der Einfluss von Organisationsmerkmalen, 5) Der Input der Familie hilft bei der Erkennung von Delir und 6) Familien können konkrete Maßnahmen ergreifen, wenn ein Delir auftritt. Azimzadeh et al (2025) Link
Nicht pharmakologisches familienzentriertes Delir Bundle: In einer kleinen Machbarkeitsstudie aus Kopenhagen wurde ein nicht-pharmakologischen, familienzentrierten Delir-Bundles für pädiatrische Intensivstationen erforscht. Ziel war es, Akzeptanz, Implementierung und Praktikabilität der Maßnahmen durch Pflegekräfte, Ärzt:innen und Eltern zu bewerten. Das Bundle umfasste elf alltagsnahe Interventionen, darunter zum Beispiel eine strukturierte Tagesplanung, ruhige und klare Kommunikation mit dem Kind, die Förderung eines angepassten Tag-Nacht-Rhythmus durch gezielte Lichtsteuerung, die Einbindung vertrauter Gegenstände am Krankenbett sowie gezielte Schlafunterstützung – etwa durch Musik oder persönliche Kuscheltiere. Sechs Maßnahmen wurden laut Eltern in über 80 % der Fälle umgesetzt, fünf verfehlten dieses Ziel. Die Interventionen wurden von Fachpersonen als sinnvoll und im pflegerischen Alltag bereits vertraut bewertet, dennoch wurden Verbesserungswünsche hinsichtlich Bündelstruktur und Visualisierung geäußert. Organisatorische Hürden, räumliche Einschränkungen und unterschiedliche hygienische Vorgaben erschwerten stellenweise die Umsetzung. Die Ergebnisse zeigen, dass das Bundle grundsätzlich praktikabel ist, aber vor einer randomisierten kontrollierten Studie überarbeitet werden sollte. Alle Maßnahmen sowie der Artikel unter: Stenkjaer et al. (2025) Link
Einstellung von Pflegekräften zur Familienzentrierung: Die multizentrische Querschnittsstudie aus den Niederlanden untersuchte die Einstellungen von Intensivpflegekräften zur Einbindung von Familien in die Pflege auf erwachsenen Intensivstationen in den Niederlanden. 583 Pflegekräfte aus zehn Krankenhäusern beantworteten den Fragebogen „Families’ Importance in Nursing Care – Nurses’ Attitudes“ (FINC-NA). Insgesamt wurde die Haltung gegenüber familiärer Beteiligung als überwiegend positiv bewertet (mittlerer Gesamtwert: 73,3 von 110 Punkten). Kritischer wurden jedoch Aussagen zur aktiven Einbindung bewertet: Über die Hälfte der Pflegekräfte lehnte es ab, Familien aktiv zur Pflegeplanung einzuladen oder sie als Entlastung im Alltag zu sehen. Negativere Einstellungen finden sich insbesondere bei Pflegekräften mit vielen klinischen Arbeitsstunden und bei jenen, die in Universitätskliniken arbeiteten. Als hemmender Faktor wurde das seltene Vorhandensein von Richtlinien zur Angehörigenintegration gesehen. Die Autor:innen empfehlen gezielte Maßnahmen und Leitlinien, um die familienzentrierte Pflege auf Intensivstationen systematisch zu fördern. von Verkaik et al. (2025) Link
Was ist “Familie”? Aus 24 Studien aus fast 30 Jahren wurden analysiert, wie der Begriff „Familie“ in der Forschung zur Family-Centred Care (FCC) auf pädiatrischen Intensivstationen verwendet wird. Es zeigt sich, dass „Familie“ meist ausschließlich mit Eltern, insbesondere Müttern, gleichgesetzt wird. Andere Angehörige wie Großeltern oder Geschwister werden kaum berücksichtigt. Die Krankenhauskultur und strukturelle Rahmenbedingungen schränken eine echte Einbindung oft ein. Die Autor:innen fordern eine inklusivere Definition von Familie, um Versorgung und Forschung gerechter und realitätsnäher zu gestalten. Fazit: Zur Familie gehören mehr. Butler et al (2025) Link
Herausforderungen in Gesprächen mit Familien: Herausforderungen in Gesprächen zwischen Intensivpersonal und Angehörigen aus Sicht von Pflegekräften, Ärzt:innen und Familien. Insgesamt nahmen 164 Personen an der Umfrage teil. Das Klinikpersonal benannte Herausforderungen auf drei Ebenen: strukturelle Bedingungen der Intensivstation, persönliche Belastung und interprofessionelle Unsicherheiten sowie schwierige Familiendynamiken. Angehörige hingegen berichteten vor allem über kognitive (z. B. Informationsverarbeitung) und emotionale Schwierigkeiten (z. B. Umgang mit Prognosen). Zwei Drittel des medizinischen Personals äußerten den Wunsch nach gezieltem Kommunikationstraining, insbesondere zum Umgang mit Emotionen, Konflikten und der Vermittlung komplexer Inhalte. Die Studie betont die Notwendigkeit, Trainingsangebote für das Intensivteam zu entwickeln. Ziel ist es, durch verbesserte Kommunikation sowohl die Qualität der Versorgung als auch das Erleben der Angehörigen zu verbessern. Reifart et al (2025) Link
OUTCOME
ICUAW: in einer systematischen Übersichtsarbeit zur Vorhersage, Diagnose und Prognose der ICUAW wurden zehn Biomarker wurden identifiziert und in fünf Mechanismen kategorisiert, einige mit hoher prädiktiver und diagnostischer Genauigkeit. Song et al (2025) Link
Neuro-ICU: in der Analyse von 32.047 Intensivpatient:innen mit Schädelhirnverletzungen auf 172 Intensivstationen in den USA war deren Mortalität geringer, wenn sie auf Neuro-/chirurgischen Intensivstationen behandelt worden sind, auch nach Adjustierung für beeinflussende Variablen. Cadena-Tejada et al (2025) Link
Diarrhoe: Bei 2.650 Intensivpatient:innen auf 44 Intensivstationen in Kanada trat Diarrhoe bei 60% an 18% der Aufenthaltstage auf, wurde durch bestimmte Risikofaktoren wie Antibiotika, Laxanzien und eiweißreiche enterale Ernährung begünstigt, verlängerte den Klinikaufenthalt, erhöhte jedoch nicht die Sterblichkeit. Dionne et al (2025) Link
VAP-Prophylaxe: in einer Meta-Analyse mit 10 Studien moderater Qualität (davon 8 RCT) und 2.876 beatmeten Intensivpatient:innen wies die prophylaktische Inhalation mit Antibiotika vs. Kontrolle (meist NaCl 0,9%) zwar eine signifikante VAP-Reduktion auf (RR 0,67), aber keinen Effekt auf die Mortalität. Valladeres et al (2025) Link
GEMISCHTES
Kommunikation: manchmal funktioniert die Kommunikation zwischen Mitarbeitenden und den Angehörigen nicht, vor allem wenn diese als Immigranten aus anderen Kulturen kommen. Haben wir hier einen blinden Fleck? Editorial von Blakoe et al (2025) aus Dänemark Link
Mit Hirntoten sprechen? Mit Verstorbenen zu sprechen gilt in Ländern des Nahen Ostens als Zeichen des Respekts. Das Sprechen mit hirntoten Patient:innen kann jedoch falsche Hoffnungen bei Angehörigen wecken und die medizinische Autorität untergraben. Auch wenn sich moralische Fragestellungen aus verschiedenen ethischen Perspektiven betrachten lassen, sollten Intensivpflegekräfte bei Konflikten zwischen Ärzt:innen und trauernden Familienangehörigen die Beziehungsethik in den Vordergrund stellen. Durch den Aufbau von Vertrauen zu den Familien hirntoter Patient:innen können Pflegekräfte ein unterstützendes Umfeld schaffen, das die Bereitschaft zur Organspende fördern kann. Ethisches Dilemma von Clinton (2025) Link
Arbeitsbedingungen auf deutschen Intensivstationen: werden von 753 Mitarbeitenden aus Medizin, Pflege u.a. sehr unterschiedlich berichtet. Einflussfaktoren sind Alter, Berufserfahrung, Betreuungsschlüssel, Geschlecht und andere. Spannend. Hertrich et al (2025) Link
Palliativmedizin: Bei Intensivpatient:innen kann die Einbindung der Palliativversorgung hilfreich sein, „um die physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Symptomebenen multiprofessionell zu adressieren.“ Übersichtsarbeit zur palliativmedizinischen Komplexbehandlung von Tenge et al (2025) Link
Early Warning Scores: in einer Übersichtsarbeit werden 44 systematische Übersichtsarbeiten mit 15 Meta-Analysen und 542 Einzelstudien zu Early Warning Scores unter den Aspekten Methodologie, Outcome, Implementierung, Performanz und anderen zusammengefasst. Nydahl et al. (2025) Link
Medikamentenfehler: in einer Übersichtsarbeit mit 48 Studien zu Medikamentenfehlern wurden große Unterschiede in der Berichterstattung der Häufigkeit von Medikationsfehlern und vermeidbaren unerwünschten Arzneimittelereignissen festgestellt, was auf Unterschiede in Studiendesigns, Überwachungsmethoden und Bewertungen der Vermeidbarkeit zurückzuführen ist. Schwere oder lebensbedrohliche Schäden traten bei nur 1–5% aller Medikationsfehler auf. Etwa die Hälfte (55%) der Gegenmaßnahmen konzentrierte sich auf die Verordnungsphase von Medikamenten. Puxty et al (2025) Link
Neuromonitoring: Pflegende in verschiedenen Ländern stehen sehr unterschiedliche Möglichkeiten zum Neuromonitoring zur Verfügung. In wohlhabenden Ländern kommen kontinuierliches EEG, intrakranieller Druckmonitor und Pupillometrie häufig zum Einsatz, während in ressourcenschwächeren Regionen finanzielle Einschränkungen und fehlende Schulungen eine Hürde darstellen. Bericht einer internationalen Konferenz von Shamoun et al. (2025) Link
Warteräume: in Japan wurden 292 Krankenhäuser zur Gestaltung der Warteräume von Familien befragt, 151 antworteten. 95% haben Wartebereiche für Intensivstationen, 96% Stühlen, 76% Tische, in 10% kann geschlafen, in 3% gekocht werden, 1% bieten einen Kühlschrank an. Ausbaufähig übrigens hat Prof. Bienstein mal in einem Projekt berichtet, dass die Krankenhausfassade am Eingangsbereich und die Aufbahrungsräume von Verstorbenen umgekehrt proportional zueinander aussehen. Shirasaki et al. (2025) Link
LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE
Videolaryngoskopie: die Spanish Society of Anaesthesiology, Resuscitation, and Pain Therapy (SEDAR) u.a. haben Empfehlungen zur Videolarnygoskopie herausgebracht. Gomez-Rios et al (2025) Link
Vorhofflimmern: eine neue S3-Leitlinie Vorhofflimmern der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Link
Tele-Notfallmedizin: S2e-Leitlinie Telemedizin in der prähospitalen Notfallmedizin Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) Link
Nierenersatztherapie: Kurzfassung der S3-Leitlinie von William et al. Link
News
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