ICU-Rehab

From A2F to F2A


Newsletter April 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir senden Euch den Newsletter zur Frührehabilitation zu. Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Peter, Sabrina, Marina & Maria



STUDIEN

PEAiCE Trial: Physiotherapie in Europa
In der PEAiCE Studie wurde die physiotherapeutische Versorgung und Praxis auf europäischen Intensivstationen mit besonderem Fokus auf respiratorisches Management und Mobilisation untersucht. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie Physiotherapie für invasiv beatmete Patient:innen in europäischen Intensivstationen organisiert ist und welche Maßnahmen tatsächlich angewendet werden. Lewko et al. (2026) führten eine multinationale Querschnittsstudie in Form einer Online-Befragung durch, an der 845 Intensivstationen aus 33 Ländern teilnahmen. Die Ergebnisse zeigen, dass Physiotherapie in Europa weit verbreitet ist (wobei 84% beatmete Personen behandeln), jedoch sehr unterschiedlich organisiert und therapiert wird. Weniger als die Hälfte der Physiotherapeut:innen arbeiten ausschließlich auf Intensivstationen, während viele zwischen Stationen wechseln. In etwa der Hälfte der Fälle beginnt Physiotherapie erst nach ärztlicher Anordnung. Die Qualifikation variiert stark: Viele verfügen über Bachelor- oder Masterabschlüsse, aber spezialisierte intensivmedizinische Weiterbildungen sind seltener. Inhaltlich wenden die meisten Physiotherapeut:innen respiratorische Maßnahmen als auch Interventionen zur Frühmobilisation an. Häufige Maßnahmen sind Absaugen der Atemwege oder unterstütztes Abhusten, während spezialisierte Techniken wie mechanische Hustenassistenz (i.e. Cough Assist) deutlich seltener eingesetzt werden. Mobilisation ist weit verbreitet: Es wird rapportiert, dass Patient:innen häufig an der Bettkante sitzen, stehen oder im Verlauf des Intensivaufenthalts gehen. Gleichzeitig werden bestimmte Assessments wie Delir oder Dysphagie seltenen durchgeführt. Insgesamt zeigt sich eine große Heterogenität hinsichtlich Aufgabenprofilen, Kompetenzen und praktischer Umsetzung in Europa. Limitationen bestehen insbesondere in möglichen Selektionsverzerrungen, unklaren Rücklaufquoten und einer ungleichen Länderrepräsentation. Die Autor:innen schlussfolgern, dass trotz breiter Integration der Physiotherapie erhebliche Unterschiede in Ausbildung, Organisation und Anwendung bestehen und eine stärkere Standardisierung notwendig ist. Für die Intensivtherapie im deutschsprachigen Raum unterstreicht die Studie die Bedeutung klar definierter Rollen, strukturierter Weiterbildung und interprofessioneller Zusammenarbeit zur Verbesserung der Versorgungsqualität.

Lewko A, Eggmann S, Ámundadóttir ÓR, Astrup K, Azevedo VH, Battaglini D, Meštrović SB, Dowds J, Duška F, Eriksson F, Hästbacka J, Hernández-Méndez B, Hickmann CE, Ippolito A, Martí Romeu JD, Müller A, Patsaki I, Rutkauskienė L, Schanke CM, Shpata V, Terzo D, Tymruk-Skoropad K, Uba K, van der Schaaf M, Zwoliński T, Nydahl P, McWilliams D. Physiotherapy provision and practice: A EuropeAn Intensive CarE Unit (ICU) survey (PEAiCE) - A profile of ICU physiotherapy in Europe. Intensive Crit Care Nurs. 2026 Mar 25;95:104390. doi: 10.1016/j.iccn.2026.104390
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Auswirkungen von Intensität und Dauer während der Frühmobilisation
Mobilisierung ist eine multidimensionale Intervention, definiert durch Zeitpunkt, Dauer und Intensität. Es ist allerdings höchst unklar, wie die einzelnen und kombinierten Faktoren sich auf das Outcome auswirken und welche Dosis wirklich zu empfehlen ist. Die aktuellen Empfehlungen sind entsprechend individuell angepasst und schrittweise aufbauend zu mobilisieren. Der TEAM trial (n=750) ist bis jetzt die grösste Studie welche eine hohe mit einer tiefen Intensität der Frühmobilisation untersucht hat (wobei die sehr hohe Intensität eher zu unerwünschten Ereignissen führte und entsprechend zur Empfehlung einer schrittweise aufbauenden Mobilisation führte). Die Autor:innen der Studie haben nun ihre Originaldaten mit komplexen statistischen Modellen simuliert (das gab ein simuliertes Datenset mit 10'000 Patient:innen). Dabei untersuchten sie den Effekt der Mobilisationsdauer (in Minuten) und Intensität (gemäss der IMS Skala). Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum Intensivstationsaustritt oder die 28-Tage Mortalität auf der Intensivstation. Die Resultate lassen vermuten, dass die Dauer & Intensität tatsächlich eine Rolle spielen. Insbesondere eine längere Dauer auf tieferem Niveau (IMS 2) war mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Nun erstaunt dies natürlich nicht, da diese Patient:innen ja auch häufiger schwerer krank sind. Dafür wurde zwar korrigiert, Faktoren wie Sedierung konnten jedoch nicht einbezogen werden. Im Gegensatz dazu waren längere Mobilisierungssitzungen nicht mit Schäden verbunden, sobald Patient:innen einen IMS von 4 oder höher erreichten (Stehen oder höher). Diese Ergebnisse legen nahe, dass Mobilisierungsstrategien auf die Leistungsfähigkeit von Patient:innen zugeschnitten sein sollten, anstatt sich ausschließlich auf Dauerziele zu stützen, und sprechen für die Entwicklung adaptiver, physiologisch fundierter Mobilisierungsprotokolle. Bis dahin gilt sicher weiterhin den Grundsatz: nicht überdosieren, besser kürzer und dafür häufiger (weil dann der Effekt und Erholung der Mobilisation besser abgeschätzt werden kann).

Neto AS. et al. Impact of Mobilization Dose on Outcome of Critically Ill Patients Receiving Mechanical Ventilation-A target trial emulation using data from the TEAM trial. Am J Respir Crit Care Med. 2026 Jan 23:aamaf109. doi: 10.1093/ajrccm/aamaf109.
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Das CPAx für neurologische Intensivpatient:innen
In einer clinimetrischen Studie aus Dänemark wurden endlich die Gütekriterien (Validität, Reliabilität und Responsivness) des CPAx bei neurologischen Patient:innen untersucht. Insgesamt wurden 74 Patient:innen einbezogen: Diagnosen reichten von hämorrhagischen/ischämischen Stroke zu Querschnitt und Guillian-Barrés Syndrom. Die Autor:innen fanden eine ausgezeichnete Reliabilität mit einem ICC von 0,99. Der Messfehler betrug 1 Punkt und die minimale klinische Differenz 2,99 Punkte (das ist für eine Skala von 0-50 sehr gut). Hinsichtlich der Konstruktvalidität wurden 67% unserer vordefinierten Hypothesen bestätigt, bei der Responsivität waren es 78%. Das liegt knapp im Bereich des akzeptierbaren Wertes, wobei die Validität sicher noch weiter untersucht werden müsste (75% wären nötig für eine hohe Validität). Insgesamt scheint das CPAx also ein zuverlässiges und responsives Instrument für Patient:innen in der Neuro-Intensivstation. Die Konstruktvalidität lag jedoch unterhalb des empfohlenen Schwellenwerts für eine ausgezeichnete Validität. Die Autor:innen stellten insbesondere Herausforderungen bei der Kooperationsfähigkeit oder kognitiven Beeinträchtigungen fest. Das Fehlen von Boden- oder Deckeneffekten deutet darauf hin, dass CPAx zur Bewertung der körperlichen Funktion, einschließlich Aspekten des Hustens und der Atemfunktion, geeignet ist.

Barsballe J.T. et al. Validity, reliability and responsiveness of the Chelsea Critical Care Physical Assessment tool (CPAx) for patients in neurocritical care. (2026). Disability and Rehabilitation.
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Wohlbefinden erfassen:
Die Studie untersuchte das Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl von Patient:innen auf Intensivstationen, insbesondere während invasiver Beatmung. Ziel der Studie war es zu klären, wie sich das subjektive Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl von intubierten Patient:innen erfassen lässt und ein geeignetes Instrument dafür zu entwickeln. Bodet-Contentin et al. (2026) führten eine methodisch mehrstufige Studie durch, bestehend aus einer systematischen Übersichtsarbeit, qualitativen Fokusgruppen inklusive ehemaliger Patient:innen sowie einer Delphi-basierten Skalenentwicklung und anschließenden Validierung in einer multizentrischen Kohorte. Die Ergebnisse zeigen, dass Patient:innen häufig unter Stress, Unsicherheit und eingeschränkter Kommunikation leiden. Daraus wurde eine kurze, praxisnahe Skala entwickelt, die vier zentrale Fragen umfasst: Beantworten Sie bitte, wie Sie folgende Zustände beantworten können: „Ich fühle mich komfortabel“, „Ich fühle mich sicher“, „Ich fühle mich gut informiert“ und „Ich fühle mich in guten Händen“ („I feel trustful“). Die Beantwortung erfolgt jeweils über eine vierstufige Likert-Skala mit den Antwortmöglichkeiten „gar nicht“, „ein wenig“, „gut“ und „sehr gut“. Die Anwendung war für die meisten Patient:innen gut verständlich, und Pflegefachpersonen bewerteten den Zeitaufwand überwiegend als angemessen. Die Autor:innen schlussfolgern, dass die Skala ein praktikables Instrument zur Erfassung patientenzentrierter Outcomes darstellt und zur Humanisierung der Intensivversorgung beitragen kann.
Bodet-Contentin L, Lecompte H, Lociciro A, et al. Well-being and sense of security of intubated patients in intensive care units: a patient co-constructed dedicated scale. Crit Care. 2026 Mar 7;30(1):113
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Humanisierte Rehabilitation nach kritischer Erkrankung
Die Studie befasst sich mit der Humanisierung der Genesung von Patient:innen nach intensivmedizinischer Behandlung durch den Einsatz narrativer und KI-gestützter Ansätze. Ziel ist es zu untersuchen, wie ein innovatives Programm die Erholung nach kritischer Erkrankung verbessern und das Verstehen der Intensivzeit fördern kann. Johnson et al. (2026) präsentieren hierzu ein konzeptionelles Diskussionspapier, das theoretische Grundlagen und ein Programmkonzept beschreibt. Die Autor:innen zeigen auf, dass Patient:innen nach Intensivaufenthalten häufig unter anhaltenden kognitiven, psychischen und körperlichen Einschränkungen leiden und bestehende Nachsorgestrukturen oft lückenhaft sind. Das vorgeschlagene Programm nutzt KI, um individuelle, verständliche Zusammenfassungen des Intensivverlaufs zu erstellen, die das Erinnern erleichtern, emotionale Verarbeitung fördern und die Kommunikation mit Angehörigen verbessern können; dadurch könnten Angst reduziert und das Verständnis deutlich verbessert werden. Zentrale Prinzipien sind a) Personenzentrierung, etwa durch individuell angepasste Verlaufsdarstellungen; b) Co-Design, beispielsweise durch Einbindung von Angehörigen in Workshops; c) Transparenz, etwa durch ärztliche Überprüfung der Inhalte; d) Gerechtigkeit, z. B. durch mehrsprachige und leicht verständliche Formate; e) Integration statt Ersatz, indem Gespräche unterstützt werden; f) ethische KI-Nutzung, etwa durch menschliche Kontrolle; g) kulturelle Sensibilität, beispielsweise durch Berücksichtigung unterschiedlicher Hintergründe; sowie h) relationale Verantwortung, etwa durch begleitete Gespräche zur Einordnung der Inhalte. Die Autor:innen schließen, dass das Programm ein vielversprechender Ansatz ist, um Technologie und Empathie zu verbinden und die Genesung von Patient:innen nachhaltiger und verständlicher zu gestalten.

Johnson GU, Robert G, Lee CS, Boehm L, Pandharipande PP, Ely EW. Reimagining intensive care unit recovery: The Critical Illness Survivorship Programme for humanising post-intensive care unit care - A discussion paper. Int J Nurs Stud. 2026 Jun;178:105386
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NEWSTICKER
Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst…

REHABILITATION

Dosierung: es ist nicht mehr so, dass eine Mobilisierungsstufe für alle passt, die Dosierung muss individuell angepasst werden. Editorial von Battalgni et al. (2026) Link

Kinesiophobie: Kinesiophobie könnte eine verborgene, aber veränderbare Barriere für die Mobilisierung bei älteren postoperativen Intensivpatient:innen darstellen. Diese Übersichtsarbeit umfasst Konzepte, mögliche Bewertungsinstrumente und Interventionen. Gu et al (2026) Link

Skandinavien: In einer Befragung von 518 Gesundheitsfachpersonen zeigte sich, dass Rehabilitation auf Intensivstationen in Skandinavien als multidimensionale Routinepraxis etabliert ist, täglich durchgeführt wird und etwa 40 % der Arbeitszeit einnimmt, mit Schwerpunkten auf körperlichen, kognitiven und sozialen Aktivitäten. Umfrage von Alfheim et al (2026) Link

Geriatrie: In diesem konzeptionellen Beitrag ohne eingeschlossene Patient:innen wird ein geriatrisches Intensivstationsbündel beschrieben, das auf Frailty-Assessment, Zielklärung und evidenzbasierten Maßnahmen basiert und angesichts einer hohen Frailty-Prävalenz (ca. 43% bei ≥80-Jährigen) sowie erhöhter Mortalität (z. B. Hazard Ratio ca. 1,5) eine funktionell orientierte Versorgung verbessern soll. Lemm et al. (2026) Link

Geriatrie II: In 11 Studien wurden zentrale pflegerische Versorgungsschwerpunkte bei älteren Intensivpatient:innen (≥65 Jahre) identifiziert, wobei insbesondere Delirmanagement, Mobilisation, Schmerztherapie, geriatrisches Assessment und Ernährungsmanagement als entscheidend für Funktionserhalt und Komplikationsprävention hervorgehoben wurden. Übersichtsarbeit von Schindele et al (2026) Link

Vorzustand: Bei 75 Patient-Angehörigen-Pärchen (ARDS, Sepsis) zeigte die Einschätzung der prästationären körperlichen Funktion mittels vSPPB, SARC-F und FRAIL nur eine mäßige Übereinstimmung (ICC 0,43–0,52; r 0,46–0,60), wobei Patient:innen ihre Funktion systematisch besser bewerteten als ihre Angehörigen. Gordon et al (2026) aus den USA Link

Intensivtagebücher: Damit Teilnehmende aus verschiedenen Kontinenten an einer internationalen Konferenz zum Intensivtagebuch teilnehmen konnten, wurde die Veranstaltung in sechs 90-Minuten-Blöcke über sechs Wochen verteilt. Es haben 23 Referierende und insgesamt 420 Personen teilgenommen. Themen waren aktuelle Entwicklungen der Tagebücher, insbesondere digitale Tagebücher, sowie Erfahrungen von Patient:innen und Angehörigen, die die Bedeutung von Intensivtagebüchern für eine patienten- und familienzentrierte sowie humanisierte Intensivversorgung unterstreichen. Konferenzbericht mit Zusammenfassung der Vorträge von Nydahl et al (2026) Link

Outcome bei Kindern: Bei 17 Expert:innen im Konsensprozess und 46 Teilnehmenden im Delphi-Verfahren wurde ein pädiatrisches Core Outcome Set mit sieben Fragebögen in sechs Domänen (u.a. Lebensqualität, Teilhabe, soziale Beziehungen, mentale Gesundheit) sowie 11 Kurzzeit-Outcomes zur standardisierten Langzeitnachverfolgung von PICU-Überlebenden entwickelt und konsentiert. Mand et al (2026) aus Deutschland Link


DELIR

Paracetamol: In einer retrospektiven Kohortenstudie mit 17.818 Intensivpatient:innen war die Gabe von Paracetamol (≥2 g/Tag) mit einer reduzierten Delirinzidenz assoziiert (aOR 0,66; absolute Risikoreduktion −6,0%), wobei ein dosisabhängiger Effekt beobachtet wurde. Bose et al. (2026) aus den USA Link

Tagebücher: In einem Qualitätsverbesserungsprojekt zeigte der Einsatz von Intensivtagebüchern bei älteren Intensivpatient:innen einen Hinweis auf eine reduizierte Delirinzidenz und verbesserte gleichzeitig Wissen, Dokumentationsqualität und Handlungssicherheit der Pflegefachpersonen. Abdulkhasanova (2026) aus den USA Link

10-Jahres-Mortalität: In einer longitudinalen Beobachtungsstudie mit 1.846 Patient:innen trat Delir bei 23% auf und war altersabhängig zunehmend sowie mit höherem Risiko für längeren Krankenhausaufenthalt (>7 Tage; adjOR 2,48), erhöhten Pflegebedarf (adjOR 2,41) und erhöhter Mortalität bis zu 10 Jahren (adjHR 1,52) assoziiert. Gan et al (2026) aus dem Vereinigten Königreich Link

Familie: Bei 120 Intensivatient:innen–Angehörigen-Pärchen zeigte die Nutzung eines sprachlich angepassten, familiengeführten Delir-Screening-Tools (FAM-CAM) eine höhere Zufriedenheit der Angehörigen im Vergleich zur Standardversorgung (z. B. 91,9 vs. 84,4 Punkte; p < 0,01), insbesondere bei Vorliegen eines Delirs. Editorial von Pattison et al (2026) Link

Pädiatrie & Benzos: In einer Sekundäranalyse von 1.006 pädiatrischen Intensivpatient:innen (10.644 Patiententage) war eine höhere Benzodiazepin-Dosis dosisabhängig mit einem erhöhten Delirrisiko am Folgetag assoziiert (aOR 1,12 pro mg/kg), ohne sicheren Schwellenwert, während auch Dexmedetomidin (aOR 1,26) und Fixierungen (aOR 1,72) das Risiko erhöhten, jedoch nicht Opioide. Sekundäranalyse einer randomisierten Multizenterstudie von Blackman et al (2026) aus den USA Link

FAMILIENINTEGRATION:

Chatbot ersetzt Arztgespräch: In einer prospektiven Machbarkeitsstudie mit 14 Eltern zeigte ein auf elektronischen Patientenakten basierender Chatbot mit künstlicher Intelligenz im pädiatrischen Intensivbereich eine hohe Akzeptanz (96% Zufriedenheit, Net Promoter Score +57) und sehr hohe Genauigkeit (99,3% korrekte Antworten), bei gleichzeitig hoher Bewertung durch Behandelnde. Prospektive Machbarkeitsstudie von Hunter et al. (2026) aus den USA Link

Warten: Bei 17 befragten Angehörigen (ergänzt durch Beobachtungen mit 39 Angehörigen) wurde das Warten auf Intensivstationen als emotional belastender, aktiver Prozess beschrieben, geprägt von Unsicherheit, individuellen Bewältigungsstrategien und der Bedeutung von räumlichen sowie sozialen Kontexten. Qualitative Studie von Rennet et al (2026) aus Frankreich Link

Konzept: In einer qualitativen partizipativen Studie wurde ein familienzentriertes Pflegemodell für die neonatologische Intensivstation mit sechs zentralen Konzepten und sechs Prozessphasen entwickelt, das die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Familien strukturiert. Qualitative Studie von Kegler et al (2026) aus Brasilien Link

Trauer: Bei 22 Angehörigen von auf Intensivstationen verstorbenen Patient:innen wurden End-of-Life-Erfahrungen durch Angst, Unsicherheit und Verständnisschwierigkeiten geprägt, wobei eine klare Kommunikation sowie die Möglichkeit eines bewussten Abschieds zentral für emotionale Verarbeitung und Bewältigung waren. Qualitative Studie von Palmryd et al (2026) aus Schweden Link

Schmerz: In 34 Patient:in-Angehörigen-Pärchen zeigte die unabhängige Schmerzerfassung auf Intensivstationen eine hohe Durchführbarkeit (75,6% Rekrutierung, 100% Abschluss) mit guter Übereinstimmung zwischen der Selbsteinschätzung der Patient:innen und ihren Angehörigen in der numerischen Schmerzintensität (ICC = 0,75 [0,56–0,87]), moderater Übereinstimmung bei Ja/Nein-Angaben (κ = 0,45 [0,16–0,76]) und in 72,2% ähnlichen offenen Beschreibungen, was die Verlässlichkeit von Angehörigen als wertvolle Quelle für die Schmerzeinschätzung unterstützt. Prospektive Beobachtungsstudie von Shahid et al (2026) aus Kanada Link

Weaning: In einer qualitativen Studie mit acht Angehörigen von Intensivpatient:innen wurde gezeigt, dass die Einbindung in den Weaning-Prozess, insbesondere durch Nähe, Berührung und Kommunikation, Sinnhaftigkeit, Hoffnung und innere Stärke fördert und eine personenzentrierte Einbeziehung der Angehörigen als aktive Partner wesentlich ist. Qualitative Studie von Tinksvik et al (2026) aus Schweden Link


OUTCOME

Copingstrategien: 11 ehemalige Patient:innen (>7d auf der Intensivstation) berichten in dieser qualitativen Studie zu ihrem Erleben und Coping nach der Intensivstation: Die 6 zentrale Themen waren: (1) nicht mehr dieselbe Person zu sein; (2) das soziale Umfeld als Hilfe und Belastung zugleich; (3) der Umgang mit Gedächtnislücken; (4) das Wahrnehmen der eigenen Fortschritte; (5) das Bewältigen von Rückschlägen und das Finden von Motivation; und (6) das, was nicht verstanden oder verändert werden kann. Ruch et al aus der Schweiz (2026). Link

ICUAW: Die unterliegende Stoffwechselreaktion bei einer kritischen Erkrankung führen zu schwerem Muskelabbau & Dysfunktion mit langfristigen Beeinträchtigungen. Die Wiederherstellung der Muskelmasse allein führt jedoch nicht zuverlässig zur Wiederherstellung der Funktion, was die Notwendigkeit funktioneller Endpunkte über die Muskelgröße hinaus unterstreicht. Spannendes Editorial von Dupuis et al. (2026). Link.

Respiratorische Muskulatur: Diese systematische Übersichtsarbeit von 8 Studien mit 218 Biopsien von Patient:innen mit kritischen Erkrankungen zeigt im Vergleich zur Kontrollgruppe (meistens Chirurgisch) eine signifikante Atrophie der Zwerchfellfasern, eine verminderte Faserkraft, einen geringeren Anteil an Typ-II-Fasern sowie erhöhte Ubiquitin-Proteinkonzentrationen. González-Seguel et al. (2026). Link

Mortalität & Muskel: Diese prospektive Kohortenstudie mit 400 kritisch kranken Personen fand, dass die Dicke des Quadrizepsmuskels, das sonographische Oberschenkel-Anpassungsverhältnis und das Volumen des Quadrizepsmuskels unabhängig voneinander mit der Sterblichkeit auf der Intensivstation assoziiert sind, nicht jedoch mit einem verlängerten Aufenthalt auf der Intensivstation. Burgel et al. (2026) Link

Hundertjährige: Von 460 Hundertjährigen, die auf Intensivstationen in Australien und Neuseeland aufgenommen worden sind, wurden mehr als die Hälfte nach Hause entlassen, ein Drittel hatte eine Behandlungsbeschränkung, aber nur 4% starben auf der Intensivstation und 13% im Krankenhaus. Individuelle statt altersbasierte Entscheidungen werden empfohlen. Link

PICS: Postintensive körperliche Einschränkungen (PICS) bleiben häufig langfristig bestehen und sind mit erhöhter Mortalität sowie reduzierter Lebensqualität assoziiert, wobei frühe Mobilisation und individuelle Risikostratifizierung zentrale präventive Ansätze darstellen. Herman et al (2026) Link

Verbrennung & PICS: Persistierende kritische Erkrankung oder Post-Intensive-Care Syndrom bei Patient:innen nach schwerer Verbrennung: "Diese Übersichtsarbeit hebt den Übergang von unmittelbarer Verletzung zu chronischen metabolischen, immunologischen, körperlichen und psychischen Störungen hervor." Berger et al. (2026) Link

Wohnlage: Bei 1.040 kritisch kranken Patient:innen (781 Überlebende) war eine eher ländliche Wohnlage mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Einschränkungen in grundlegenden Alltagsaktivitäten nach 3 (aOR 2,16; 95 % KI 1,27–3,67) und 12 Monaten assoziiert, jedoch nicht mit kognitiver Funktion oder Lebensqualität. Ist die Wohnlage ein Einflussfaktor für Rehabilitation? Mart et al (2026) aus den USA Link

Eltern: In einer prospektiven Kohortenstudie mit 229 pädiatrischen Intensivpatient:innen und ihren Eltern zeigte sich innerhalb eines Jahres nach Entlassung bei den Kindern eine Verbesserung der funktionellen Einschränkungen (moderate bis schwere Behinderung von 19,4 % auf 9,0 %), während gleichzeitig bei den Eltern anhaltend hohe Raten von Angst (bis 30,7 %) und Depression (bis 41,7 %) bestanden. Prospektive Kohortenstudie von Tsuboi et al (2026) aus Japan Link


GEMISCHTES

Schlaf & Beatmung: Schlafstörungen bei Intensivpatient:innen sind durch kurze und fragmentierte Schlafphasen gekennzeichnet und mit einem erhöhten Delirrisiko assoziiert, wobei Beatmungseinstellungen (nichtinvasiv und invasiv) maßgeblich zur Schlafqualität beitragen und durch Anpassungen potenziell verbessert werden können. Review von Fuentes et al (2026) Link

Gute-Wünsche-Baum: ein Baum im Garten neben der Intensivstation ermöglicht Familien und auch Mitarbeitenden eine neue Strategie, ihre emotionalen und spirituellen Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken. Eigentlich: ein Gebetsbaum („Prayer tree“). Ashcraft et al (2026) aus den USA Link

Kommunikation: Kommunikation hatte immer einen zentralen Stellenwert im Team und mit Patient:innen und Familien, aber sie verändert sich zunehmend aufgrund zunehmenden technologischen, sozialen und gesundheitlichen Veränderungen. Statement von Ahsana et al. (2026) Link

Digitale Kommunikation: In 54 Studien aus 19 Ländern verbesserte digitale Kommunikation auf Intensivstationen, insbesondere virtuelle Besuche, die Zufriedenheit von Angehörigen signifikant (SMD 0,76; 95% KI 0,45–1,06), während Effekte auf Angst und Depression der Patient:innen nicht signifikant waren, jedoch qualitativ eine Reduktion von Belastung und verbesserte Einbindung berichtet wurde. Systematische Übersichtsarbeit von Oh et al (2026) Link

Ethik: Unterschiedliche professionelle Perspektiven von Pflegefachpersonen und Ärzt:innen im Intensivbereich können zu divergierenden Bewertungen der Angemessenheit von Behandlung führen, was interprofessionelle Konflikte und moralisches Leiden begünstigen kann, aber durch gezielte Integration dieser Perspektiven auch zu patientenzentrierteren Entscheidungen und Vermeidung von Übertherapie beitragen kann. Reflexionen von Seidlein (2026) Link

(Psycho-)Edukation in der Notaufnahme: In 26 Studien zeigte sich, dass psychologische Interventionen und insbesondere (psycho-)edukative Informationsvermittlung bei Notfallpatient:innen trotz heterogener Evidenz mit einer Reduktion psychischer Belastung und Unterstützung der mentalen Gesundheit assoziiert sind. Scoping Review von Rutetzki et al (2026) Link

Ultraschall im Rettungsdienst: In einer retrospektiven Beobachtungsstudie mit 144 Patient:innen (169 präklinischen Ultraschalluntersuchungen) zeigte paramedizinisch durchgeführtes POCUS nach strukturierter Schulung eine hohe diagnostische Genauigkeit (Sensitivität 87,9 %, Spezifität 92,7 %) und beeinflusste klinische Entscheidungen wie Transportdringlichkeit (36,1 %) und Zielklinik (18,1 %). Retrospektive Beobachtungsstudie von Boehm et al (2026) aus Wiesbaden Link

Periphere Vasopressoren: In 49 Studien mit 33.060 peripheren venösen Kathetern zeigte die Gabe von Vasopressoren über periphere Zugänge eine niedrige Rate an Nebenwirkungen (gesamt 2,3% minor AEs; schwere AEs selten) bei gleichzeitig möglicher Vermeidung zentralvenöser Katheter in 59,7% der Fälle. Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von ZhangJian et al (2026) Link

Genderbias in KI: In einer Querschnittsstudie mit 1.800 KI-generierten Bildern zeigten Text-zu-Bild-Modelle deutliche Verzerrungen in der Darstellung von Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit von Intensivmediziner:innen (z. B. Frauenanteil zwischen 9,3 % und 78,3 %, nicht-weiße Darstellung bis 90 %) im Vergleich zu realen US-Demografiedaten. Chung et al. (2026) Link

APN: Die Implementierung einer Advanced Practice Nurse auf einer internistischen Intensivstation zeigte auf Basis einer systematischen Literaturrecherche eine Verbesserung evidenzbasierter Pflege, der Teamqualifizierung sowie interprofessioneller Zusammenarbeit ohne Angabe konkreter Patient:innenzahlen. Implementierungsstudie von Ufelmann et al (2026) aus München Link



LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE

Sepsis: Surviving Sepsis Campaign, Prescott et al (2026) Link

Sepsis bei Kindern: Surviving Sepsis Campaign, Weiss et al (2026) Link

Gebrechlichkeit: S3-Leitlinie zur Perioperativen Versorgung von Patient:innen mit Frailty. DGAI unter Leitung von v. Dossow und Schaller Link

Geriatrische Intensivpatient:innen: die SCCM hat eine Leitlinie zur Versorgung von geriatrischen Intensivpatient:innen herausgebracht: Ferrante et al (2026) Link

Weaning bei TK: Leitlinie zum Weaning von tracheostomierten Patient:innen aus Frankreich Link

Beatmung: eine Leitlinie aus Saudi Arabien: Arabi et al (2026) Link

ECMO-Training: die ELSO hat Empfehlungen zum Training herausgegeben Link

ARDS in der NICU: Europäische Leitlinie zum ARDS-Management in der Neonatologie: Sweet et al (2026) Link



Was wir nicht erwähnt haben: zugegeben, die Auswahl der hier berichteten Studien ist willkürlich und interessiert Euch hoffentlich. Dennoch gibt es in jedem Newsletter Studien, die wir bewusst nicht erwähnen, weil sie u.a. im Volltext in uns fremden Sprachen, in umstrittenen Fake-Science-Verlagen, mit fragwürdigen Methoden, Ergebnissen oder Schlussfolgerungen oder aus ähnlichen Gründen publiziert worden sind.
Aber auch wir lesen nicht alles: sollten wir eine erwähnenswerte Studie übersehen haben, so sind wir dankbar für einen Hinweis!



Bleibt in Bewegung und bleibt gesund
Im Namen der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation grüßen

Peter Nydahl, Sabrina Eggmann, Marina Ufelmann & Maria Brauchle


PD. Dr. Peter Nydahl, GKP, BScN MScN, Pflegeforschung und -entwicklung, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland
Dr. Sabrina Eggmann, Physiotherapeutin, MSc, Institut für Physiotherapie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Schweiz & Intensivmedizin und Neonatologie, Universitätskinderspital Zürich, Universität Zürich, Schweiz
Marina Ufelmann, GKP, BScN, MScN, ANP und stellv. Sprecherin der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, Klinikum rechts der Isar in München, Deutschland
Maria Brauchle, DGKP, Landeskrankenhaus Feldkirch, Pflegeschule Feldkirch, Österreich


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