ICU-Rehab

From A2F to F2A


Newsletter März 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir senden Euch den Newsletter zur Frührehabilitation zu. Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Peter, Sabrina, Marina & Maria



STUDIEN

Femorale Katheter & Frühmobilisation
Systematische Literaturrecherche gemäß den PRISMA-Richtlinien in 4 Datenbanken bis zum 27. Juni 2025 mit der Fragestellung: der Sicherheit von femoralen Kathetern bei der Frühmobilisation. Eingeschlossen wurden Studien mit Erwachsenen, die während der Verwendung eines femoralen Katheters eine körperliche Rehabilitation / Frühmobilisation erhielten. Der primäre Endpunkt war die Inzidenzrate (exakte Poisson-Methoden) von katheterbezogenen, unerwünschten Ereignissen, die während oder unmittelbar nach den Rehabilitationssitzungen auftraten. Die Daten wurden deskriptiv zusammengefasst und studienspezifische Inzidenzraten berechnet. Das Risiko für Bias wurde mit Hilfe der Instrumente des Joanna Briggs Institute bewertet. Das Protokoll wurde prospektiv in PROSPERO registriert. Insgesamt, wurden 15 Studien mit 504 Patient:innen und 1846 Rehabilitationssitzungen unter Verwendung von Femoralen Kathetern einbezogen. Die Aktivitäten reichten vom Radfahren im Bett bis zum Gehen. Insgesamt wurden in vier Studien 19 katheterbedingte unerwünschte Ereignisse festgestellt (27%). Die Gesamtinzidenzrate betrug 3,8 (95 % CI 2,3–5,9) pro 100 Patient:innen und 0,81 (95 % KI 0,45–1,34) pro 100 Sitzungen. Die Inzidenzraten pro 100 Patient:innen betrugen 1,3 (95 % KI 0,4–3,4) für gemischte venöse/arterielle Katheter, 0,0 (95 % KI 0,0–4,8) für Hämodialysekatheter und 11,8 (95 % KI 6,6–19,5) für intraaortale Ballonpumpen (IABP). Keine Studie hat eine irreversible Schädigung als Folge eines unerwünschten Events rapportiert. Mit Ausnahme von IABP scheint die Frühmobilisation mit femoralen Kathetern entsprechend sehr sicher und sollten keine Kontraindikation darstellen. Natürlich muss die Funktion gut überprüft und die Katheter während der Durchführung sicher fixiert werden.
Caceres-Parra et al. (2026) Femoral Catheter-Related Adverse Events during Physical Rehabilitation of Patients with Critical Illness: A Systematic Review. Nursing in Critical Care.
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Updates zur Frührehabilitation
Die Rehabilitation kritisch kranker Patient:innen gewinnt zunehmend an Bedeutung, da viele Überlebende langfristige körperliche, kognitive und psychische Einschränkungen entwickeln. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, aktuelle Entwicklungen der personenzentrierten Rehabilitation auf Intensivstationen sowie Interventionen zur Prävention und Behandlung des Post-Intensive-Care-Syndroms (PICS) und PICS-Family zusammenzufassen. In einem internationalen Team konnten wir die aktuelle Literatur zur personenzentrierten Rehabilitation kritisch kranker Patient:innen zusammenfassen und evidenzbasierte Ansätze aus der Intensivmedizin diskutieren. Im Mittelpunkt steht ein multidimensionales Rehabilitationskonzept, das körperliche, kognitive, psychologische und soziale Interventionen integriert und idealerweise innerhalb von 24–72 Stunden nach Aufnahme auf der Intensivstation beginnt. Wichtige körperliche Interventionen umfassen frühzeitige Mobilisation, schrittweise Aktivitätsprogramme bis hin zu Gehen sowie standardisierte Assessments wie FSS-ICU oder CPAx zur Evaluation des Funktionsstatus. Kognitive Interventionen konzentrieren sich vor allem auf Delirprävention und -management durch Screening (z. B. CAM-ICU), Reorientierungsstrategien, Familienbeteiligung inklusive Kinder und innovative Ansätze wie Virtual Reality. Psychologische Interventionen umfassen verbesserte Kommunikationsstrategien, digitale oder klassische Intensivtagebücher, Einbindung klinischer Psycholog:innen sowie Peer-Support-Programme für Überlebende kritisch Erkrankter. Für Angehörige werden familienzentrierte Maßnahmen wie offene Besuchsregelungen, strukturierte Kommunikation, Beteiligung an Visiten sowie Unterstützungsprogramme empfohlen, um PICS-Family zu reduzieren. Offene Forschungsfragen betreffen insbesondere die optimale „Dosis“ rehabilitativer Interventionen, die individuelle Anpassung der Maßnahmen sowie den potenziellen Einsatz künstlicher Intelligenz in Rehabilitation und Nachsorge.
Nydahl, P., Eggmann, S., Ewens, B., Jones, C., Karnatovskaia, L. V., Needham, D. M. (2026). Updates in Person-Centered Rehabilitation for Critically Ill Patients. Critical Care Nursing Clinics of North America.
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Dysphagie-Krafttraining bei Patient:innen mit ICUAW
Eine spannende Cohortenstudie untersuchte die Machbarkeit bei kritisch kranken Personen mit einer intensivstationserworbenen Muskelschwäche (ICUAW). Über einen Zeitraum von 3 Jahren wurden bei dem Patient:innen mit Dysphagie und ICUAW ein auf Krafttraining basierendes Behandlungsprotokoll für Dysphagie umgesetzt, das ein Training der Ausatmungsmuskulatur sowie Schluckübungen zur Stärkung der Zungenbasis, der Rachen-, der suprahyoidalen und der Atemmuskulatur umfasste. Es wurde ein Trainingsprogramm mit 5 Sätzen à 5 Wiederholungen an 5 Tagen pro Woche durchgeführt. Insgesamt wurden zwar nur 13 Teilnehmende (11 Männer, Medianalter = 52 Jahre) rekrutiert. Zu den medizinischen Diagnosen zählten schwere Verbrennungen, Influenza A, nekrotisierende Pankreatitis, Sepsis und eine COVID-19-Infektion. Die mediane Dauer der mechanischen Beatmung betrug 19 Tage (IQR 16–36), die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation 34 Tage (IQR 21–43) und die Krankenhausaufenthaltsdauer 71 Tage (IQR43–86). Alle Teilnehmende wiesen zu Studienbeginn eine ausgeprägte Dysphagie und Ateminsuffizienz auf (MEP: 21–114 cmH
O). Alle Patient:innen konnten das Behandlungsprotokoll erfolgreich absolvierne und erreichten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus die prämorbide Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie den prämorbiden funktionellen Atemstatus (MEP: 62–178 cmHO). Es wurden keine unerwünschten Ereignisse verzeichnet. Die Studie war nicht randomisiert und hatte keine Kontrollgruppe, es könnte sich entsprechend auch um einen natürlichen Verlauf handeln und braucht weitere Evidenz. Trotzdem gibt die Studie einen guten Überblick, wie ein Trainingsprogramm für Dysphagie bei diesen schwerbetroffenen Personen aussehen könnte.
Clayton, NA. et al. (2026). Early dysphagia rehabilitation in critical care: A pilot study of safety, feasibility, and effectiveness of a strength-based dysphagia treatment protocol in intensive care unit–acquired weakness. Australian Critical Care, Volume 39, Issue 2, 101528
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NEWSTICKER
Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst…

REHABILITATION

Bettfahrrad I: Zusätzlich zur Frührehabilitation ist das Bettfahrrad mit klinisch bedeutsamen Verbesserungen hinsichtlich Kraft, funktioneller Erholung, kürzeren Aufenthalt auf der Intensivstation sowie geringeren neuromuskulären und neurokognitiven Komplikationen verbunden, ohne dass dabei Sicherheitseinbußen auftreten. Diese Effekte waren robust, obwohl die allgemeine Evidenzsicherheit sehr gering bis moderat war. Lü et al. (2026) Link

Bettfahrrad II: Diese multizentrischen, randomisierte, kontrollierte Studie aus Frankreich fand keinen Benefit auf die Verweildauer auf der Intensivstation durch ein frühes Fahrradtraining zusätzlich zur standardisierten Physiotherapie bei Patient:innen (n=119) nach einem septischen Schock. Allerdings war die Studie unterpowert da sie wegen COVID-19 frühzeitig beendet wurde. Michaux et al. (2026) Link

NMES: In einem Review mit 44 Studien (n=2.553) wurden 50 verschiedene NMES-Protokolle angewendet wurden. Die Stimulation zielte vorwiegend auf die Muskeln der unteren Extremitäten und verwendete biphasische Rechteckwellenformen (Impulsdauer 250 - 1.400µs, Frequenzen 20 - 121 Hz, Intensitäten 2 - 250 mA oder 20 - 250 V). Nebst klarer Evidenz zu Effektivität, fehlen entsprechend auch einheitliche Behandlungsrichtlinien. Daum et al. (2026) Link

Inotropika/Vasoaktiva: In einer australischen, multi-center Studie (n=279) gelang eine Mobilisierung aus dem Bett häufig (stehen 88%, sitzen 91%), wenn Patient:innen nur ein vasoaktives Medikament in niedriger Dosierung erhielten oder die Einnahme kurz zuvor beendet hatten. Bei 10% wurde die Mobilisierung aufgrund hämodynamischer Bedenken beendet. Leider wurden nur Patient:innen welche vorgängig als „passend“ eingestuft wurden beobachtet womit objektive Kriterien weiterhin fehlen. Byrne et al. (2026) Link

Sicherheit: Die Strategien von Physiotherapeut:innen auf pädiatrischen Intensivstationen zum Management von Instabilität beinhalten: Vorbereitung und Planung, Einbeziehung des multidisziplinären Teams und der Familie, Reagieren und Anpassen, sowie Akzeptieren von Instabilität. Eine qualitative Studie von Shkurka et al aus England (2026) Link

IMS: Die ICU Mobility Scala (IMS) gibt es nun auch auf Deutsch übersetzt inklusiver kultureller Anpassung, allerdings ist sie noch nicht validiert. Sarkandy et al. (2026) Link

Vasopressoren: Bei 279 Intensivpatient:innen war eine Mobilisation aus dem Bett trotz laufender oder kürzlich beendeter vasoaktiver Medikation häufig möglich, wobei 91 % Sitzen und 88 % Stehen erreichten, ohne Unterschied zwischen laufender und kürzlich beendeter Therapie; hämodynamische Abbrüche traten bei 7% (Sitzen) und 10% (Stehen) auf und waren häufiger nach nicht-kardialer Operation (26%) oder bei Epiduralanästhesie (50%). Byrne et al (2026) aus Australien Link

Intensivtagebücher: In 18 Studien zu nicht-narrativen Tagebüchern auf neonatologischen Intensivstationen dokumentierten vor allem Eltern (50 %, insbesondere Mütter 33 %) Interaktionen mit ihren Kindern, wobei elterliche Präsenz (72,2 %), Haut-zu-Haut-Kontakt (66,6 %) und Halten (33,3 %) am häufigsten erfasst wurden, was Tagebücher als vielseitige und praktikable Instrumente für familienzentrierte Versorgung und Forschung im NICU-Kontext zeigt. Sorrentino et al (2026) aus Italien Link


DELIR

Delirerfahrungen: In 9 qualitativen Studien zu den Erfahrungen von Intensivpatient:innen mit Delir wurden 38 Einzelergebnisse zu 10 Themen zusammengefasst, die drei zentrale Aspekte beschreiben: vielfältige belastende Erlebnisse während des Delirs, unterschiedliche kognitive Wahrnehmungen und Bewältigungsstrategien sowie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Unterstützung durch Angehörige und Fachpersonal. Meta-Synthese von Guo et al (2026) Link

Delir und PTSD: In 21 Studien zeigte sich ein heterogener Zusammenhang zwischen Delir während eines Krankenhausaufenthalts und späteren PTSD-Symptomen, mit einer Prävalenz von 0–17,6 % bei strukturierten Interviews und 5–74,5 % bei Selbstberichtsinstrumenten, wobei insbesondere schweres oder prolongiertes Delir sowie belastende Halluzinationen oder delusionale Erinnerungen mit einem erhöhten PTSD-Risiko assoziiert waren, während mehrere Kohortenstudien keinen Zusammenhang fanden. Systematische Übersichtsarbeit von Thoma et al (2026) Link

Delir und Insulin: In 7 Studien mit 732 postoperativen Patient:innen reduzierte perioperativ verabreichtes intranasales Insulin im Vergleich zu Placebo signifikant die Inzidenz von postoperativem Delir (RR = 0,39; 95 % CI 0,23–0,66) und postoperativer kognitiver Dysfunktion (RR = 0,51; 95 % CI 0,30–0,88) sowie postoperative Entzündungsmarker (z. B. IL-6 und TNF-α), ohne berichtete schwere Nebenwirkungen. Meta-Analyse von Amin et al. (2026) Link

Wissen schützt: Etwa ein Drittel bis die Hälfte aller deliranten Episoden können bei stationären Patient:innen vermieden werden, wenn Risiken frühzeitig erkannt und präventive Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Entscheidend sind dabei Bewusstsein, Wissen und interprofessionelles Handeln, um Betroffene vor Delir zu schützen und die Rehabilitation nachhaltig zu fördern. Übersichtsarbeit von de Souza et al (2026) Link


FAMILIENINTEGRATION:

Integration bei Mobilisierung: In 10 Studien wurden Barrieren und fördernde Faktoren der Einbindung von Angehörigen in die Frühmobilisation von Intensivpatient:innen identifiziert, wobei zentrale Einflussfaktoren Patientenstatus und Mobilisationsfähigkeit, Wissen und Sicherheit der Angehörigen, klinische Unterstützung und Kommunikation sowie organisatorische Strukturen wie Besuchsregelungen und Ressourcen waren. Übersichtsarbeit von Alahmari et al (2026)
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Familienboard: Bei einer Implementationsstudie in einer pädiatrischen Intensivstation zeigte ein gemeinsam entwickeltes Bedside Family Board, dass es hohe Akzeptanz, Angemessenheit und Machbarkeit aufweist und die Einbindung von Familienperspektiven, gemeinsame Zielsetzung und familienzentrierte Versorgung sechs Monate nach Einführung deutlich unterstützt, obwohl einzelne Inhalte je nach Entwicklungsalter unterschiedlich genutzt wurden. Van Klaveren et al (2026) aus den Niederlanden Link

Virtuelle Teilnahme an Visiten: Die Studie von Beydoun et al. (2026) zeigt, dass die virtuelle Teilnahme von Angehörigen an Intensivvisiten machbar ist. In fünf Erwachsenen-Intensivstationen in Montreal nahmen Angehörige per Videokonferenz an multidisziplinären Visiten teil; die meisten eingeschriebenen Angehörigen machten tatsächlich mit, und die meisten virtuellen Visiten verliefen ohne technische Probleme. Zudem verbesserten sich die Werte zur Einbindung der Angehörigen, während die Zufriedenheit insgesamt hoch war. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass virtuelle Angehörigenbeteiligung im ICU-Setting praktikabel ist und in größeren multizentrischen Studien weiter auf ihre Wirksamkeit geprüft werden sollte. Link


OUTCOME

PICS im Ärzteblatt: Denke et al (2026) haben einen Übersichtsartikel im Ärzteblatt veröffentlicht. Eine wichtige Publikation, um auch Hausärzt:innen über die Langzeitfolgen der Intensivtherapie zu informieren Link

Therapien bei Long-Covid: In 51 randomisierten Studien mit 4026 Patient:innen verbesserten Bewegungstraining und telerehabilitative Programme bei Long COVID signifikant Belastbarkeit, kardiopulmonale Funktion und Fatigue (z. B. 6-Minuten-Gehtest +83,2 m), während Atemmuskeltraining die respiratorische Kraft erhöhte (MIP +19,7 cmHO), PEA-LUT (Palmitoylethanolamid + Luteolin, eine entzündungsmodulierende Kombination) die Geruchsfunktion verbesserte und Steroidnasensprays sowie Riechtraining keinen signifikanten Effekt zeigten. Tan et al (2026) Link

ICUAW: Bei 80 mechanisch beatmeten Intensivpatient:innen sagte die frühe Quadrizepsreaktion auf neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) nach etwa 3 Tagen Beatmung das spätere Auftreten einer ICU-acquired weakness (49 %) zuverlässig voraus, wobei die Stimulationsintensität signifikant höher war bei Betroffenen (+21,6 mA; p < 0,001) und das Vorhersagemodell eine AUC von 0,87 (kombiniert mit Risikofaktoren 0,94) erreichte. Combret et al (2026) aus Frankreich Link

Feststellung Hirntod: Pharmakologische und toxikologische Faktoren können bei komatösen Intensivpatient:innen die Beurteilung von Komaursache und Hirntoddiagnostik erheblich verfälschen, da veränderte Pharmakokinetik durch Hypothermie, Multiorganversagen, Intoxikation oder verlängerte Infusionen die Medikamentenclearance reduziert und dadurch das Risiko einer Fehldiagnose oder verfrühten Hirntodfeststellung erhöht. Übersichtsarbeit von Farrokh et al (2026) Link


GEMISCHTES

Traumen verarbeiten: Bei 99 Gesundheitsfachpersonen mit traumaassoziierten Intrusionen (unwillkürlich wiederkehrende belastende Erinnerungsbilder eines traumatischen Ereignisses) reduzierte eine kurze digitale Imagery-Competing-Task-Intervention (Abruf belastender Bilder gefolgt von Tetris-Spiel mit mentaler Rotation) nach 4 Wochen die Häufigkeit intrusiver Erinnerungen deutlich (Median 0,5 vs. 5,0 in Kontrollgruppen) ohne nachweisbare studienbezogene Schäden. RCT von Beckenstrom et al. (2026) aus dem Vereinigten Königreich Link

Tubuspflege: Handlungsalgorithmus Tubuspflege von Rothaug et al. (2026) Link

Raubzeitschriften: Dieses Editorial befasst sich mit der Frage, was Raubzeitschriften (predatory journals) sind und welche Probleme sie verursachen (insbesondere auch eine Unglaubwürdigkeit der Wissenschaft), es diskutiert wie und warum Raubzeitschriften zunehmen, und schlägt Strategien zu ihrer Bekämpfung vor. Santos et al. (2026). Link

Lungenrekrutierung: In 23 mechanisch beatmeten ARDS-Patient:innen zeigte ein randomisiertes Crossover-Experiment, dass Sigh-Recruitment-Manöver (kurzzeitige Beatmung mit hohem Driving Pressure) und Sustained-Inflation-Manöver (30 s konstanter Atemwegsdruck von 40 cmHO) innerhalb von 30 Minuten keine klinisch relevanten Veränderungen der respiratorischen Mechanik, des Gasaustauschs, der Hämodynamik oder der EIT-basierten Lungenvolumina bewirkten, wobei nur 9 % bzw. 13 % der Patient:innen eine >20 %ige Verbesserung des PaO/FiO-Verhältnisses zeigten. Chiumello et al (2026) aus Italien Link

Arterielle Blutdruckmessung: In 303 klinischen Mitarbeitenden zeigte eine Online-Querschnittsbefragung deutliche Wissenslücken beim invasiven arteriellen Blutdruckmonitoring mit geschlossenem Transducersystem, wobei nur 7 % alle Fragen korrekt beantworteten und korrekte Antworten je nach Themenbereich lediglich 2–77 % erreichten, während mehr Berufserfahrung und Tätigkeit in tertiären Zentren mit höherer Genauigkeit assoziiert waren. Coolens et al. (2026) aus Deutschland Link

Beine anheben: Bei 37 septischen Intensivpatient:innen sagten Veränderungen des Hautblutflusses (SBF) während eines Passive-Leg-Raising-Manövers die mikrovasculäre Flüssigkeitsresponsivität zuverlässig voraus (AUROC 0,95), wobei ein SBF-Anstieg >6 % eine Sensitivität von 96 % und Spezifität von 90 % zur Identifikation von Respondern zeigte. Morin et al. (2026) aus Frankreich Link


LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE

Stilldauer: S3-Leitlinie zur Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung. DGKJ et al (2026) Link

Familien: Die ANZICS hat eine Leitlinie zur Forschung mit und über Familien herausgeben: ANZICS Link

Pandemien und Katastrophen: Die Leitlinie der Society of Critical Care Medicine (SCCM) behandelt die Priorisierung intensivmedizinischer Ressourcen bei krisenbedingten Engpässen wie Pandemien oder Katastrophen. Ziel ist eine evidenzbasierte Unterstützung von Triage-Entscheidungen bei begrenzter ICU-Kapazität. Die Empfehlungen basieren auf systematischen Reviews und der GRADE-Methodik. Insgesamt zeigt sich jedoch eine sehr geringe Evidenzbasis für viele zentrale Entscheidungen der Ressourcenallokation.
Keine Empfehlung für klinisches Urteil vs. „first-come-first-served“ bei ICU-Aufnahmen.
Keine Empfehlung für oder gegen formale Triage-Instrumente.
Keine Empfehlung zum interklinischen Transfer bei fehlenden ICU-Betten.
Keine Empfehlung für spezielle Nicht-ICU-Versorgungsbereiche bei Überlastung.
Keine Empfehlung zur Betreuung durch ICU- vs. Nicht-ICU-Personal.
Bedingte Empfehlung: frühzeitige Einbindung der Palliativversorgung bei Patient:innen mit hoher Sterbewahrscheinlichkeit
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Rettungsdienst: Positionspapier zur ethischen Entscheidungsfindung im Rettungsdienst. Grautoff et al. DIVI, DGINA (2026) Link

Beatmung unter ECMO: Leitlinie zur Einstellung der Beatmung unter ECMO: Hohmann et al (2026) Link


Was wir nicht erwähnt haben: zugegeben, die Auswahl der hier berichteten Studien ist willkürlich und interessiert Euch hoffentlich. Dennoch gibt es in jedem Newsletter Studien, die wir bewusst nicht erwähnen, weil sie u.a. im Volltext in uns fremden Sprachen, in umstrittenen Fake-Science-Verlagen, mit fragwürdigen Methoden, Ergebnissen oder Schlussfolgerungen oder aus ähnlichen Gründen publiziert worden sind.
Aber auch wir lesen nicht alles: sollten wir eine erwähnenswerte Studie übersehen haben, so sind wir dankbar für einen Hinweis!


Bleibt in Bewegung und bleibt gesund
Im Namen der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation grüßen

Peter Nydahl, Sabrina Eggmann, Marina Ufelmann & Maria Brauchle


PD. Dr. Peter Nydahl, GKP, BScN MScN, Pflegeforschung und -entwicklung, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland
Dr. Sabrina Eggmann, Physiotherapeutin, MSc, Institut für Physiotherapie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Schweiz & Intensivmedizin und Neonatologie, Universitätskinderspital Zürich, Universität Zürich, Schweiz
Marina Ufelmann, GKP, BScN, MScN, ANP und stellv. Sprecherin der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, Klinikum rechts der Isar in München, Deutschland
Maria Brauchle, DGKP, Landeskrankenhaus Feldkirch, Pflegeschule Feldkirch, Österreich

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