Liebe Kolleginnen und Kollegen Wir hoffen, dass es Euch allen gut geht. Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen des Newsletters! Marina, Sabrina & Peter STUDIEN Physisch-kognitives Training erfolgreich? Kognitive Einschränkungen nach Intensivaufenthalten sind ein zentrales Problem für ältere Patient:innen mit Delir. Die Forschungsfrage dieser Studie lautete: Kann ein kombiniertes 12-wöchiges Programm aus körperlichem Training und kognitivem Training die kognitive Leistungsfähigkeit von älteren Delir-Überlebenden nach einem Intensivaufenthalt verbessern? Khan et al. (2025) führten zu dieser Fragestellung eine randomisiert-kontrollierte Studie (IMPROVE) an vier US-amerikanischen Kliniken durch. Insgesamt 153 Patient:innen ab 50 Jahren wurden in vier Gruppen randomisiert, die nach ihrer Entlassung unterschiedliche Kombinationen aus kognitivem Training, kognitiver Kontrolle, körperlichem Training und Dehnungsübungen über 12 Wochen mit 2-3 Sitzungen pro Woche (24-36 Sitzungen insgesamt) erhielten. Die vier Interventionen waren: (1) körperliches Training plus kognitives Training (aerobes Training, Widerstandsübungen, webbasierte Gehirntrainingsmodule), (2) körperliches Training plus kognitive Kontrolle (gleiches Training, aber mit Rätseln statt gezieltem Training), (3) Dehnübungen plus kognitives Training, (4) Dehnübungen plus kognitive Kontrolle. Im Ergebnis zeigte sich, dass 50% der Patient:innen delirant waren, ohne bedeutsame Unterschiede zwischen den Gruppen. Die kombinierte Intervention hatte keinen signifikanten positiven Effekt auf die kognitive Leistungsfähigkeit (gemessen mit der Repeatable Battery for the Assessment of Neuropsychological Status) nach 3 und 6 Monaten. Unerwartet verschlechterten sich die kognitiven Werte in den Gruppen mit kognitivem Training sogar leicht. Auch in Bezug auf Lebensqualität, Depression, Angst und körperliche Leistungsfähigkeit fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Als Limitation nennen die Autor:innen den vorzeitig beendeten Rekrutierungszeitraum (bedingt durch COVID-19), die geringe Rekrutierungsrate (<50% der angestrebten Anzahl), die hohe Abbruchrate, die heterogene Adhärenz (unterschiedliche Kontinuität der Übungen) und methodische Herausforderungen bei der Datenerhebung. Sie schließen, dass künftige Studien die optimale Dosierung, den Zeitpunkt und die Art von Rehabilitationsmaßnahmen nach der Intensivstation präziser erforschen müssen. Für die Intensivpflege in Deutschland bietet die Studie wichtige Hinweise, um postintensivmedizinische Rehabilitation gezielt und wirksam zu gestalten.
Khan SH, Perkins AJ, Unverzagt FW, Wang S, Moser LR, Moiz S, Jawaid S, Corlett D, Clark DO, Boustani MA, Gao S, Khan BA. Improving Recovery and Outcomes Every Day After the ICU (IMPROVE): A Randomized Controlled Trial. Crit Care Med. 2025 May 22. doi: 10.1097/CCM.0000000000006698 Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40402024/ Harnstoff-Kreatinin-Verhältnis Ein erheblicher Eiweißabbau ist ein zentrales Merkmal kritischer Erkrankungen und führt zu Muskelabbau, verlängerter Intensivaufenthaltsdauer und erhöhter Sterblichkeit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das Harnstoff-Kreatinin-Verhältnis (UCR) ein geeigneter Biomarker für katabole Prozesse bei Intensivpatient:innen sein könnte und unter anderem auch zur Einschätzung der Mobilisierbarkeit von Intensivpatient:innen. Paulus et al. (2025) führten eine systematische Literaturrecherche und Meta-Analyse durch, um die Rolle des UCR in der Intensivmedizin zu untersuchen. Die Suche erfolgte in Embase, PubMed, ScienceDirect und Cochrane Library. Von 1450 identifizierten Studien wurden 47 eingeschlossen. Diese befassten sich mit dem Zusammenhang des UCR mit Muskelabbau, persistierender kritischer Erkrankung, Sterblichkeit, Ernährung und weiteren Outcomes wie Delir oder kardialen Ereignissen. Eine UCR ≥ 20 (bzw. ≥ 80 mmol/l) bei Aufnahme war mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert (RR 1,60). Das UCR korrelierte negativ mit der Muskelmasse und stieg bei anhaltender kritischer Erkrankung deutlich an. Limitationen der Arbeit sind die Heterogenität der Studien, mögliche Einflussfaktoren wie Dehydratation oder Nierenersatzverfahren sowie fehlende patient:innenspezifische Cut-offs. Die Autor:innen fordern valide Grenzwerte und betonen den Bedarf an weiterer Forschung. Die Studie zeigt, dass das UCR ein vielversprechender, leicht messbarer Biomarker für katabole Zustände in der Intensivmedizin in Deutschland sein könnte. Ob das UCR auch als Parameter für die (nicht-) Mobilisierung von Intensivpatient:innen sein kann, wird zurzeit in Australien untersucht. Die UCR wird wahrscheinlich in Zukunft ein relevanter Parameter im Kontext der Frührehabilitation sein. Paulus MC, Melchers M, van Es A, Kouw IWK, van Zanten ARH. The urea-to-creatinine ratio as an emerging biomarker in critical care: a scoping review and meta-analysis. Crit Care. 2025 May 2;29(1):175. doi: 10.1186/s13054-025-05396-6 Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40317012/ Kognitive Rehabilitation Kognitive Beeinträchtigungen sind eine häufige und oft übersehene Folge kritischer Erkrankungen und intensivmedizinischer Behandlungen. Die vorliegende Übersichtsarbeit untersucht, welche nicht-pharmakologischen Interventionen die kognitive Rehabilitation kritisch kranker Patient:innen unterstützen können. Holm et al. (2025) führten eine systematische Umbrella-Review durch und analysierten 13 Forschungssynthesen, die zwischen 2008 und 2023 in den Datenbanken CINAHL, Embase, PubMed und PsycINFO veröffentlicht wurden. Es konnten vier Haupttypen nicht-medikamentöser Interventionen identifiziert werden: 1) kognitive Aktivitäten und Trainings, 2) Mobilisation und körperliches Training, 3) emotionale, psychologische und soziale Unterstützung sowie 4) Informationsvermittlung. Diese Maßnahmen wurden teils während des Intensivaufenthalts, teils im Anschluss in der häuslichen Rehabilitation eingesetzt. Einzelne Interventionen zeigten positive Effekte auf exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis, jedoch war die Evidenzlage insgesamt uneinheitlich. Besonders multikomponente und individualisierte Ansätze wurden als vielversprechend hervorgehoben, wobei eine klare Evidenz zur Wirksamkeit und zum optimalen Zeitpunkt der Durchführung fehlt. Die Autor:innen fordern weitere Forschung mit robusten Studiendesigns. Für die Intensivversorgung in Deutschland unterstreicht die Arbeit die Relevanz frühzeitiger, strukturierter kognitiver Rehabilitationsmaßnahmen als Teil ganzheitlicher Versorgungskonzepte. Holm A, Thorn L, Alrø AB, Nedergaard HK, Jensen HI, Dreyer P. Non-pharmacological interventions to support the cognitive rehabilitation of patients admitted to the intensive care unit: An umbrella review. Nurs Crit Care. 2025 May;30(3):e13190. Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39503063/ Rehabilitation und Überleben Ein Aufenthalt auf der Intensivstation (ICU) kann zu erheblichen physischen, psychischen und kognitiven Langzeitfolgen führen, die eine umfassende Rehabilitation notwendig machen. Die zentrale Fragestellung dieser Studie war: Wie ist die Qualität der rehabilitativen Versorgung von Erwachsenen nach einem mindestens viertägigen Intensivaufenthalt in England und Wales? McWilliams et al. (2025) führten im Auftrag der National Confidential Enquiry into Patient Outcome and Death (NCEPOD) eine nationale retrospektive Untersuchung durch. Eingeschlossen wurden 1.018 erwachsene Patient:innen, deren Versorgungsverläufe mittels Aktenanalysen, Fragebögen an Fachpersonal, Organisationen und Betroffene sowie Patientenbefragungen untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigten gravierende Defizite in der Koordination, Dokumentation und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen entlang des gesamten Behandlungspfads – von der Intensivstation bis in die häusliche Nachsorge. Insbesondere fehlten systematische Assessments, standardisierte Übergaben und der interprofessionelle Austausch. Psychologische und kognitive Bedarfe wurden selten adressiert. Die Einbindung von Patient:innen und Angehörigen war unzureichend. Positive Effekte zeigten sich dort, wo koordinierende Fachpersonen benannt waren. Limitationen sind die retrospektive Methodik und begrenzte Generalisierbarkeit auf andere Länder. Die Autor:innen fordern verbindliche Standards und vermehrte interdisziplinäre Ressourcen. Für die Intensivpflege und Intensivtherapie in Deutschland bietet die Studie wertvolle Impulse zur Reflexion, strukturierten Nachsorge und nachhaltigen Rehabilitationsplanung nach kritischer Erkrankung. The National Confidential Enquiry into Patient Outcome and Death. ‘Recovery Beyond Survival. 2025. London Link https://ncepod.org.uk/2025icur/Full%20report_Recovery%20Beyond%20Survival.pdf NEWSTICKER Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst… REHABILITATION Agitation: „das Ziel eines Agitationsmanagements ist es, sowohl die physischen und kognitiven Fähigkeiten wie auch die Würde und Sicherheit der Patient:innen zu erhalten.“ Praxisorientierter Handlungsalgorithmus von Dayton et al. (2025) Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40449929/ Physio-Assistenz: in einer Pilot-RCT mit 46 beatmeten Intensivpatient:innen war protokollierte Frührehabilitation durch Assistent:innen der Physiotherapie im Vergleich zur üblichen Versorgung durch Physiotherapeut:innen machbar und Patient:innen erhielten mehr Therapieminuten, allerdings lag die Studie unter ihrem Rekrutierungs- und Umsetzungsziel. Cusack et al (2025) UK & Australien Link https://doi.org/10.1177/17511437251328899 Yoga: in einem Konzeptpapier werden die Möglichkeiten und Vorteile von Yoga mit Intensivpatient:innen entwickelt inklusive Atemübungen gegen Schmerzen, zur Entspannung & Coping, Yogaübungen zur Atmung und Weaning, Muskelstärkung und Resilienztraining. Ebenso bieten sich Räume für das Personal und Angehörige an, zB mit Anleitungen oder Videos. Gupta & Shadmaan (2025) aus Indien! Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40365362/ Robotik: in einer RCT mit 20 Intensivpatient:innen zeigte sich eine Mobilisierung mit Robotern im Vergleich zur üblichen Mobilisierung als Vorteilhaft bzgl der Dauer, Frequenz und Stufe, aber auch personalintensiver. Lorenz et al (2025) aus Berlin Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40414562/ Pflege-geleitete Mobilisierungsprotokolle: in der Analyse von 15 Studien zu Pflege-geleiteten Mobilisierungsprotokollen zeigten sich bedeutsame Vorteile gegenüber einer üblichen Versorgung im Hinblick auf Intensiv- und Krankenhaustage, allerdings nicht für Mobilität Muskelkraft oder Mortalität. Xu et al (2025) Link https://doi.org/10.1002/nop2.70206 Technologie zur Familienunterstützung: in den letzten Jahren wurden verschiedene Technologien mit Apps und KI entwickelt, die Patient:innen und ihre Familien unterstützen können. Angepasste Trainingsmodelle und hybride Kommunikation sind gut möglich, allerdings müssen diese Technologien gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden, nützlich und leicht zu gebrauchen sein. Calver et al (2025) Link https://doi.org/10.1016/j.cnc.2025.02.008 Bedarf an Technologie: Nach Analyse von Interviews mit 22 ehemaligen Intensivpatient:innen aus Deutschland, Kroatien, Niederlande und UK wurde deutlich, dass eine App zur Nachsorge einfach zu bedienen sein muss, Informationen zu PICS enthalten und die Kommunikation mit Familien und medizinischen Ansprechpartner:innen unterstützen sollte. Zacharelou et al (2025) Link https://doi.org/10.1111/nhs.70135 VR: in einer Übersichtsarbeit konnten 7 Studien zum Einsatz von VR in Intensivstationen identifiziert werden, meist Pilotstudien mit geringen Zahlen von Teilnehmenden. Mehr Forschung ist nötig, vor allem zur Sicherheit. Li et al (2025) Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39642293/ Fremdeinschätzung: wenn Patient:innen präoperativ und Angehörige postoperativ befragt werden, wie der Zustand der Patient:innen vor Aufnahme war (Lebensqualität, Selbstständigkeit usw), so sind die Antworten häufig durch die Umgebung der Intensivstation verändert. Grunow et al (2025) Link https://doi.org/10.1186/s13054-025-05431-6 Familienzentrierte Versorgung: kurze Zusammenfassung der SCCM Leitlinie zur familienzentrierten Versorgung mit der zentralen Empfehlung von liberalisierten Besuchszeiten. Tipp: https://sccm.org/familycenteredcare . Kommt übrigens auch im Herbst auf Deutsch in der intensiv/Thieme! Hwang & Hopkins Link https://sccm.org/communications/critical-connections Familienfreundliche Intensivstation: ein Bericht, wie die Deutsche Fachgesellschaft für Intensivpflege und Funktionsdienste e.V. die Implementierung der Familienfreundlichen Intensivstation vorantreibt. Bislang sind über 300 Intensivstationen registriert, die Zahl steigt! Scheer et al (2025) Link https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nicc.70074 Kinder begleiten: Erwachsene sollten empathisch und ehrlich sein, wenn Kinder sterbende Patient:innen auf Intensivstation besuchen. Editorial von Kleinpell et all (2025) Link https://doi.org/10.1007/s00134-025-07915-z Reha-Ideen: auf dem 10. GFO-Intensivpflegetag in Hennef wurden mit dem Publikum 49 verschiedene Idee für kleine Übungen für die physische, kognitive und psychosoziale Rehabilitation gesammelt, die den Unterschied machen können. Nydahl et al (2024) Link https://www.bibliomed-pflege.de/pi/ausgabe/2-2025-den-oekologischen-fussabdruck-verringern-nachhaltige-pflege-in-intensiv-op-und-notfallstationen Durst: hier ist ein Handlungsalgorithmus Durstmanagement von kritisch kranken Personen mit Endotrachealtubus oder Trachealkanüle. Wefer et al (2025) aus Bad Oeynhausen Link https://doi.org/10.1007/s00063-025-01291-8 Personalisierte Reha: gerade Patient:innen, die auf Intensivstation ein hohes Level von persönlichem Stress erlebt haben, benötigen eine individualisierte, adaptierte Rehabilitation. Editorial von Oh et al (2025) Link https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0964339725001521?via%3Dihub Kosten: Im Team RCT mit 733 Intensivpatient:innen aus 6 Ländern wurde Frühmobilisierung zwar auf höhere Level und mit mehr Personalstunden umgesetzt, aber die Intervention war im Vergleich zur üblichen Versorgung nicht kosteneffektiv. Higgins et al (2025) Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40439527/ Intensivtagebücher: in einer qualitativen Meta-Synthese wurden 15 verschiedene systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen zu Intensivtagebüchern identifiziert. Im Allgemeinen weisen Tagebücher Vorteile für die psychologische Gesundheit und Lebensqualität von Patient:innen auf, für Angehörige muss noch weiter geforscht werden. Zuo et al (2025) Link https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jocn.17832 Stimmen den Angehörigen: bei 60 Patient:innen nach Herzinfarkten bewirkte das Hören der aufgenommenen Angehörigenstimmen im Vergleich zur üblichen Versorgung eine bedeutsame Senkung der Angst, nicht aber der Schmerzen oder Depression. RCT von Ugurlu et al (2025) aus der Türkei mit methodischen Schwächen Link https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nicc.13199 Kinder als Besuchende: bei 25 Kindern (7-17 Jahre, 17 Besuchende, 8 nicht-Besuchende), die Patient:innen auf ICU besuchen durften, wurden vorher und nachher auf PTSD, Trennungsangst und positive/negative Effekte erfragt. Die besuchenden Kinder erhielten ein informatives Heft und Informationen zum Besuch. Im Ergebnis sank lediglich die Trennungsangst signifikant bei den besuchenden Kindern im vorher-nachher-Vergleich und im Vergleich zur Kontrollgruppe; PTBS sank in beiden Gruppen. Lamiani et al (2025) aus Italien Link https://doi.org/10.1186/s13034-025-00906-4 DELIR Antipsychotika: Bei 13.712 älteren Patient:innen, die im Krankenhaus erstmalig Antipsychotika erhielten, war das Absetzen der Medikation nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Vergleich zur Fortführung der Therapie mit einer geringeren Rehospitalisierung und Mortalität assoziiert. Yang et al (2025) aus den USA Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40366701/ Fixierung: ist es möglich, mithilfe eines Protokolls zur Fixierung, das vor allem an den verschiedenen Zu- und Ableitungen, Gegenwart der Familien und den Ergebnissen der CAM-ICU orientiert ist, die Rate an Fixierungen senken? Studienprotokoll von Videal et al (2025) Link https://bmjopen.bmj.com/content/15/5/e085674 Kompass D2: in einem RCT mit 6 Krankenhäusern in Deutschland und 1.944 allgemeinen Patient:innen über ≥70 Jahren konnte mit einen strukturierten Delirmanagement die Delirhäufigkeit von 10,6% auf 6,3% gesenkt werden. Pawlowski et al (2025) Link https://innovationsfonds.g-ba.de/beschluesse/kompass-d2.308 ICUAW: bei 402Intensivpatient:innen war eine ICUAW mit einem höheren Risiko für ein (hypoaktives) und längeres Delir assoziiert. Quiu et al (2025) aus China Link https://doi.org/10.1111/nicc.70061 Dexdor: in der Analyse von 27 RCT wurde bei geringer Sicherheit ermittelt, dass bei Patient :innen nach kardiochirurgischen Eingriffen Dexmedetomidin im Vergleich zu einem Placebo oder nichts die Häufigkeit eines postoperativen Delirs senken könnte. Keith et al (2025) Link https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aas.70069 Curriculum: das DIVI Delir-Curriculum ist ein 2,5-tägiger Kurs zum interprofessionellen Delirmanagement mit dem Abschluss „DIVI-zertifizierter Delir-Experte/in“. Das Curriculum wird zurzeit evaluiert und auch Refresherkurse können jetzt angeboten werden. Schimböck et al (2025) Link https://www.divi.de/publikationen/divi-mitgliederzeitschrift OUTCOME Early Warning Scores: in der Analyse von 15 Studien zeigte sich, dass im Bereich Oxygenierung eine graduelle im Vergleich zu einer dichotomen Abweichung von Normwerten zu deutlich besseren Performanzergebnissen führt. Harrison et al (2025) Link https://doi.org/10.1136/thorax- 2024-222663 Sepsis-Erkennung: in einer Befragung von 101 Intensivpflegefachpersonen wurde deutlich, dass die Erkennung und das Management von Sepsis von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, u.a. z.B. pflegerische Kompetenz, Arbeitsbelastung/Personalausstattung, Verfügbarkeit von Geräten oder Ressourcen, kollegiale Unterstützung, aber auch Wissen, Fähigkeiten, Umfeld und Ressourcen sowie sozialen Einflüssen. Kissel et al. (2025) aus Canada Link https://journals.lww.com/ccejournal/fulltext/2025/01000/understanding_icu_nursing_knowledge,_perceived.5.aspx Sepsis-Prioritäten: Mittels systematischen Vorgehen und Inklusion von Überlebenden, deren Familien, Kliniker:innen und Forscher:innen wurden die 10 Top Prioritäten für die Sepsis Forschung festgelegt. Dabei wurden die wichtigsten Themen als Sepsisdiagnose, Charakterisierung, Management des Post-Sepsis-Syndroms (oder PICS) und nicht-antibiotissche Behandlungen thematisiert. McPeake et al. aus der UK (2025) Link https://associationofanaesthetists-publications.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/anae.16634 Ventilator-Dashboard: die Einrichtung eines Dashboards über 5 Intensivstation mit Alarmfunktion, wenn bei Patient:innen die Tidalvolumina >8ml/pkgKG überstiegen, führte nach Einführung zu einer verbesserten Umsetzung einer lungenprotektiven Beatmung (78% auf 87%). Beatmungsdauer oder Mortalität wurden nicht berichtet, aber wir können auf weitere Veröffentlichungen gespannt sein. Tandon et al (2025) aus den USA Link https://doi.org/10.1016/j.chstcc.2025.100167 Bauchlage mit ECMO: in einer systematischen Übersichtsarbeit mit 2 RCT und 20 nicht-RCTs mit insgesamt 3.465 Patient:innen mit VV-ECMO war eine Bauchlage mit einem 36% geringeren Risiko der 28 Tage-Mortalität assoziiert. Der Effekt war stärker bei jüngerem Alter, höherer Krankheitsschwere, nicht-Covid-Ätiologie und geringe Raten an Bauchlage vor ECMO. Aber: Assoziation ist nicht Kausalität, mehr Forschung ist nötig. Pettenuzzo et al (2025) Link https://link.springer.com/article/10.1007/s00134-025-07877-2 PEEP: in einem RCT mit 380 Patient:innen mit hypoxämischem Lungenversagen und NIV-Beatmung führte ein geringer PEEP mit 5 cmH2O im Vergleich zu einem hohen PEEP mit 10-15 cmH2O zu mehr NIV-Versagen (43% vs 32%), schlechterer Oxygenierung und höheren Tidalvolumina. Ein höherer PEEP scheint also eher NIV-Versagen zu vermeiden, aber lag es nun am höheren PEEP, geringeren Tidalvolumina oder beidem? Duan et al. (2025) aus China Link https://doi.org/10.1007/s00134-025-07902-4 Wieder Auto fahren: aus Sicht vieler Patient:innen ist die Fähigkeit, wieder Auto fahren zu können, außerordentlich wichtig. Von 196 Intensivpatient:innen mit Verweildauer >4d konnten einen Monat nach Entlassung 13% (n=16) wieder Autofahren. 50% hatten allerdings einen MOCA < 26, was auf kognitive Beeinträchtigungen hinweist. Mehr Forschung (und Vorsicht im Straßenverkehr) ist notwendig. Potter et al. (2025 aus Kanada Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36976554/ GEMISCHTES Was ist Pflege: der ICN hat eine neue Definition der Pflege und des Pflegeberufes herausgegeben, u.a. „Die Pflege ist ein Beruf, der sich dem Einsatz für das Recht aller Menschen auf den bestmöglichen Gesundheitszustand verpflichtet. Dies geschieht durch das gemeinsame Engagement für eine kooperative, kultursensible und personenzentrierte Pflege und Versorgung. Pflege handelt im Sinne der Menschen und setzt sich dafür ein, dass alle einen gerechten Zugang zu Gesundheit, Gesundheitsversorgung sowie zu sicheren und nachhaltigen Lebensbedingungen erhalten.“ ICN Link https://icn.ch/sites/default/files/2025-06/ICN_Definition-Nursing_Report_EN_Web_0.pdf Schlafstörungen in der Pflege: in der Analyse von 24 Studien aus 15 Ländern mit 3.499 Pflegefachpersonen konnte ermittelt werden, dass im Mittewert 77% der Pflegenden unter Schlafstörungen leiden, im Intensivbereich sind es 75%. Gong et al. (2025) https://doi.org/10.1111/nicc.13151 Bauchlage & Decubitus: Mit einem Qualitätsverbesserungsprojekt mit Evaluationen, Schulungen, Videos und neuen Materialien konnte die Inzidenz von Decubitus durch Bauchlage in einem vorher-nachher Vergleich bei 70 Patient:innen von 58% auf 25% reduziert werden. Ge et al (2025) aus China Link https://doi.org/10.1111/nicc.70036 Entfernung Zu- und Ableitungen: nach der Analyse von 8.880 Patientenakten passiert die unbeabsichtigte Entfernung von Zu- und Ableitungen in 6.4% (n=376). Von diesen waren es 44% nasoenterale Sonden, 11,4% zentrale Venenkatheter, 9% Blasenverweilkatheter, und andere. Oliviera et al (2025) aus Brasilien Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40408176/ Ulcusprophylaxe: in dem Vergleich von zwei Umfragen bei 230 Intensivstationen im Vereinigten Königreich in 2020 und 2024 zeigte sich, dass H2 Antagonisten zugunsten von Protononpumpeninhibitoren verwendet werden. Sobald Patient:innen enteral ernährt werden können, wird die Medikation meistens abgesetzt. Borthwick et al (2025) aus UK Link https://doi.org/10.1177/17511437251338614 Dex vs Clonidin vs Propofol: In einem RCT mit 1.404 beatmeten Intensivpatient:innen mit Beatmung >48h war die Dauer bis zur erfolgreichen Extubation mit Dexmedetomidin (136h) oder Clonidin (146h) vs Profpofol (162h) nicht signifikant unterschiedlich, allerdings traten mehr Agitationen und Bradykardien bei Patient:innen mit Dex & Clonidin auf. Walsh et al (2025) aus UK Link https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/10.1001/jama.2025.7200?utm_campaign=articlePDF%26utm_medium=articlePDFlink%26utm_source=articlePDF%26utm_content=jama.2025.7200 IAD: die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) kommt häufig vor, ist pflegerisch behandelbar und damit ein Qualitätsindikator. Den einzuführen ist allerdings eine Herausforderung. Köberich (2025) Link https://www.springerpflege.de/qualitaetsindikator-iad/50975070 EoL in Europa: End-of-Life (EoL) Entscheidungen werden in Europa sehr heterogen betrachtet. In einer Meta-Übersichtsarbeit mit 11 Übersichtsarbeiten wurden die Haltungen der Öffentlichkeit, Pflegefachpersonen und Mediziner:innen gesammelt. Während die Öffentlichkeit und viele Pflegefachpersonen in den meisten Ländern einer Sterbehilfe oder Advanced Care Planing positiv gegenübersteht, zeigen Mediziner:innen eine vorsichtigere Haltung. Interessant. Refolo et al (2025) Link https://doi.org/10.1186/s12910-025-01219-z Einsamkeit: bei familialer Pflege kommt es häufig zur sozialen Isolation und Einsamkeit. Qian et al (2025) aus den USA Link https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40411495/ Green-ICU: in einem ESICM-Survey mit 635 Intensivpersonen aus 48 Ländern gaben 80% an, sich für eine nachhaltige Intensivversorgung verantwortlich zu fühlen, aber 63% wussten nicht genau wie und 84% haben kein Training dazu erhalten. Spannende Daten von Iliopoulou et al (2025) Link https://doi.org/10.1016/j.jcrc.2025.155079 LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion: ein Positionspapier der European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC) (2025) Gisselbaek & Saxena et al, Link https://journals.lww.com/ejanaesthesiology/fulltext/2025/07000/esaic_mellin_olsen_declaration_on_diversity,.1.aspx Pädiatrische Palliativversorgung: Niederländische Leitlinie für die palliative Versorgung von pädiatrischen Patient:innen inklusive Abort und Trauerverarbeitung. Teunenböck et al (2025) Link https://bmcpalliatcare.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12904-025-01763-w Kardiogener Schock bei Frauen: die Heart Failure Society of America (HFSA) hat neue Empfehlungen herausgegeben Link https://doi.org/10.1016/j.jscai.2024.102150 Ultraschall der Lunge: Konsensuspapier der ESICM und ESPNIC mit insg. 46 Empfehlungen. Link https://doi.org/10.1007/s00134-025-07932-y Nierenersatztherapie: S3-Leitlinie der DGIIN https://register.awmf.org/assets/guidelines/040-017l_S3_Nierenersatztherapie-Intensivmedizin_2025-03.pdf Was wir nicht erwähnt haben: zugegeben, die Auswahl der hier berichteten Studien ist willkürlich und interessiert Euch hoffentlich. Dennoch gibt es in jedem Newsletter Studien, die wir bewusst nicht erwähnen, weil sie u.a. im Volltext in uns fremden Sprachen, in umstrittenen Fake-Science-Verlagen, mit fragwürdigen Methoden, Ergebnissen oder Schlussfolgerungen oder aus ähnlichen Gründen publiziert worden sind. Aber auch wir lesen nicht alles: sollten wir eine erwähnenswerte Studie übersehen haben, so sind wir dankbar für einen Hinweis! Bleibt in Bewegung und bleibt gesund Im Namen der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation grüßen Sabrina Eggmann, Marine Ufelmann & Peter Nydahl Marina Ufelmann, GKP, BScN, MScN, ANP und stellv. Sprecherin der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, Klinikum rechts der Isar in München, Deutschland Dr. Sabrina Eggmann, Physiotherapeutin, MSc, Institut für Physiotherapie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Schweiz, bzw. Monash University Melbourne, Australien PD. Dr. Peter Nydahl, GKP, BScN MScN, Pflegeforschung und -entwicklung, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland
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