ICU-Rehab

From A2F to F2A


Newsletter Januar 2026

Im Januar-Newsletter geht es um würdevolle Versorgung, Nach draußen gehen, Outcome nach chronisch kritischer Erkrankung, Tiergestützte Therapie und vieles anderes mehr … Weiter.…

Newsletter Dezember 2025

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir senden Euch mit diesem letzten Newsletter im Jahr 2025 alle guten Wünsche für die Feiertage und das neue Jahr! Danke für Eure Teilnahme, Unterstützung und Wissbegierde an dem Thema Frührehabilitation. Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr mit Euch mit vielen Projekten, Webinaren und Newslettern!

Wir haben für Euch wie immer eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Peter, Sabrina, Marina & Maria



STUDIEN

Wer profitiert am meisten von einer Frühmobilisierung mit einer erhöhten Intensität?
Der TEAM Trial untersuchte eine hohe Intensität (step-down) versus Standard-Intensität (step-up) in 750 kritisch kranken Personen, dabei zeigte sich keinen Unterschied auf die Überlebenstage außerhalb des Krankenhauses nach 180 Tagen. Nun haben die Autor:innen eine hypothesengenerierende Analyse mit Einsatz von maschinellem Lernen durgeführt. Das Ziel war die Untersuchung der Heterogenität der Behandlungswirkung (d.h. die Identifikation von Merkmalen von Patient:innen bei Randomisierung welche die Behandlung beeinflusst haben könnten, wie zum Beispiel Diabetes, welches in einer früheren Studie als negativer Faktor aufgefallen ist: Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38763167/). Leider mussten Patient:innen aus Großbritannien ausgeschlossen werden, weil keine Einwilligung für weitere Analysen vorhanden war. Es wurden entsprechend 687 Patient:innen aus 40 Standorten einbezogen, wovon 141 (21%) bis zum Tag 180 starben (primäres Outcome für diese Analyse). Es wurde eine absolute Verringerung um 34% bei einigen Patient:innen und ein Anstieg der Mortalität um 39% bei anderen mit intensiver Frühmobilisierung gefunden. Dabei zeigte der Interaktionsterm zwischen den Modellvorhersagen und der Behandlungszuweisung eine signifikante Heterogenität der Behandlungswirkung (p = 0,006), d.h. es gibt wichtige Merkmale, welche die Reaktion auf die Frühmobilisierung beeinflussen. Patient:innen bei denen eine schlechte Reaktion auf eine intensive Frühmobilisation vorhergesagt wurde, erhielten mit höherer Wahrscheinlichkeit Vasopressoren, hatten Diabetes und wiesen zu Beginn der Studie niedrigere RASS-Werte auf. Patient:innen bei denen ein Nutzen vorhergesagt wurde, hatten bessere WHODAS 2 Scores, weniger Komorbiditäten und eher eine geplante Operation. Es gab auch Patient:innen, welche weder / noch zugeteilt werden konnten. Entsprechend gilt für gefährdete Patient:innen oder auch solche, welche nicht direkt von einer intensiveren Frühmobilisation profitieren (um Ressourcen zu sparen) eine frühe Rehabilitation mit durchschnittlich 9 aktiven Minuten für 5 Tage die Woche, Patient:innen welche post-operativ auf die Intensivstation kommen, sollten eher intensiver behandelt werden, i.e. mit 21 aktiven Minuten für 7 Tage. Diese Ergebnisse sprechen für einen personalisierten Ansatz bei der frühen Mobilisierung, allerdings sollten zukünftige Studien die klinische Anwendbarkeit dieser individualisierten Vorhersagen überprüfen. Insbesondere der RASS Score scheint dabei ziemlich modifizierbar und ist abhängig von der Kultur der Intensivstation.
Hodgson, C.L., Spicer, A.B., Broadley, T. et al. Individualised treatment effects of enhanced early mobilisation in mechanically ventilated patients: a secondary analysis of the TEAM trial. Intensive Care Med (2025)
Link

Training mit einem Sprechventil bei Tracheotomie?
Diese Studie untersuchte, ob tracheotomierte Intensivpatient:innen sicher mit eingesetztem Sprechventil trainieren können und ob dies die Lungenbelüftung oder das Patientenerleben beeinflusst. 20 Personen absolvierten zwei identische Bettfahrrad-Trainingseinheiten – einmal mit Sprechventil und einmal ohne – während die Forschenden Vitalparameter und die Lungenbelüftung mittels elektrischer Impedanztomografie überwachten. Beide Bedingungen erwiesen sich als sicher, ohne Zwischenfälle und mit stabilen Vitalzeichen. Die Lungen verhielten sich jedoch leicht unterschiedlich: Mit Sprechventil kam es während des Trainings zu weniger Verlust der endexspiratorischen Lungenbelüftung, und in der Erholungsphase erholte sich die Belüftung stärker. Auch die Atemzugvolumen-Variation war höher, was auf eine effektivere Ventilation während des Trainings hindeutet. Die Patient:innen bevorzugten das Training mit Sprechventil, da die Kommunikation erleichtert war, während Atemkomfort und Trainingsleistung in beiden Bedingungen vergleichbar waren.
Insgesamt zeigt die Studie, dass das Belassen des Sprechventils während eines niedrigintensiven Bettfahrrad-Trainings gut machbar, sicher und potenziell vorteilhaft für die Lungenbelüftung und die Einbindung der Patient:innen ist – ohne die Trainingsleistung zu beeinträchtigen. Interessanterweise wurde die Sorge um den Atemwegswiderstand durch ein Sprechventil nicht berücksichtigt, was insbesondere bei anstrengenderen Aktivitäten wie aufstehen oder gehen relevant sein könnte. Churchill et al. aus Australien (2025).
Link


NEWSTICKER
Interessante Studien, für Dich kurz zusammengefasst…

REHABILITATION

Namibia: Frühmobilisation in Intensivstationen in Windhoek (Namibia) zeigte in einer retrospektiven Aktenanalyse von 870 kritisch kranken Erwachsenen, dass 40,5% Physiotherapie erhielten und 98,0 % davon mobilisiert wurden, bei sehr seltenen Nebenwirkungen (1,4%) und längerer ICU-Verweildauer bei mobilisierten im Vergleich zu nicht mobilisierten Patient:innen (Median 3 vs. 2 Tage; p<0,0001). Du Plessis et al. (2025) aus Namibia Link

Psycholog:innen: Psycholog:innen-geleitete psychologische Screening- und Interventionsprotokolle auf Intensivstationen zeigten in einer prospektiven Pilotstudie mit 30 Intensivpatient:innen eine hohe Interventionsadhärenz (96% absolvierten mindestens ein Modul), ausreichende Machbarkeit der Outcome-Erhebung und eine signifikante Reduktion negativer emotionaler Affekte trotz relevanter Rekrutierungsbarrieren. Prospektive Pilotstudie von Hampton et al. (2026) aus Australien Link

Digitale Tagebücher: In 110 digitalen Tagebucheinträgen und Interviews mit 22 Intensivpflegefachpersonen zeigte sich, dass pflegerische Beiträge in koautorierten digitalen ICU-Tagebüchern mit Echtzeitzugriff für Angehörige stark durch die unmittelbare Sichtbarkeit geprägt waren und sich durch personenzentrierte, mitfühlende Inhalte, reduzierte Fachsprache, selektives Abschwächen sensibler Informationen sowie eine als sinnstiftend, aber emotional belastend erlebte Schreibpraxis auszeichneten. Qualitative Studie von van Schol et al. (2025) Niederlande Link

Pusher: Neurophysiologische Ausstreichungen zur Behandlung des Pusher-Syndroms nach Schlaganfall werden in einer multizentrischen randomisierten Mixed-Methods-Studie bei pflegebedürftigen Patient:innen geprüft, mit dem Ziel der Rekalibrierung des subjektiven Vertikalitätsempfindens (primäres Outcome, Abweichungswinkel Unterschenkel–Rumpf) und einer generellen Symptomverbesserung (SCP). Protokoll von Schmidt-Maciejewski et al (2025) aus Deutschland Link

Kritischer Blick: Xu et al veröffentlichten eine Übersichtsarbeit mit 15 RCTs zur Pflege-gesteuerten Mobilisierung. Iyayi et al. (2025) haben die Daten überprüft und tatsächlich erfüllten nur 8 der 15 RCT die definierten Einschlusskriterien, in den anderen 7 RCT wurde von interprofessionellen Teams und anderen mobilisiert. Letter von Iyayi et al (2025) Link

NMES: In 32 älteren Intensivpatient:innen (≥ 65 Jahre) zeigte die Kombination aus früher Mobilisation und neuromuskulärer Elektrostimulation im Vergleich zu früher Mobilisation allein eine signifikant höhere Quadrizepskraft bei Krankenhausentlassung (0,46 ± 0,13 vs. 0,30 ± 0,13 kgf/kg; mittlere Differenz 0,16; 95%CI 0,07–0,25; p=0,002) sowie bessere funktionelle Ergebnisse wie Gehstrecke und Barthel-Index. RCT von Yokobatake et al (2025) aus Japan Link


DELIR

Sonnenlicht: In 391 erwachsenen Intensivpatient:innen mit einem ICU-Aufenthalt ≥ 7 Tage war begleitete Outdoor-Therapie mit einer signifikanten Reduktion der Delirschwere assoziiert, gezeigt durch einen Rückgang des medianen ICDSC-Scores von 4 auf 2 am Tag der ersten Sitzung (p < 0,001), niedrigere Scores bei ICU-Entlassung im Vergleich zu gematchten Kontrollen (3,0 vs. 4,0; p = 0,013) sowie einen dosisabhängigen Effekt mit mehr Sitzungen (p = 0,025). Tsukakoshi et al (2025) aus Japan Link

Durst: Starker Durst war als Risikofaktor bei 118 erwachsenen Intensivpatient:innen mit Delir assoziiert, wobei moderater bzw. starker Durst das Delirrisiko um das Vier- bzw. Vierzehnfache und Dehydratation um mehr als das Zehnfache erhöhte. Querschnittstudie von Barani et al (2025) aus dem Iran Link

Pflege-/Therapie: Nicht-pharmakologische und multikomponentige Interventionen zur Prävention und Behandlung von Delir auf Intensivstationen zeigten in 32 systematischen Reviews und Meta-Analysen mit 335 Einzelstudien eine signifikante Reduktion von Delirinzidenz und -dauer durch ABCDEF-Bundles, Frühmobilisation und Angehörigenbeteiligung sowie Mortalitätsvorteile bei multikomponentigen Ansätzen, bei insgesamt inkonsistenter und häufig niedriger Evidenzqualität. Systematisches Meta-Review von Kundakci et al (2025) Link

Erleben: in einer qualitativen Analyse von neun Patient:innen (zehn Interviews) berichteten diese von kognitiven und körperlichen Erfahrungen bei Sepsis mit Delir oder subsyndromalem Delir mit 20 Subkategorien mit zentralen Phänomenen wie somatischer Depersonalisation, Kontrollverlust, Schmerz, visuellen Halluzinationen, Desorientierung, Kommunikationsproblemen sowie langfristigen Folgen wie fragmentierten Erinnerungen, Angst und wahrgenommenem kognitiv-körperlichem Abbau. Espinoza et al (2025) aus Portugal Link

Arbeitsbelastung: In acht Studien zeigte sich bei Patient:innen mit Delir im Vergleich zu Patient:innen ohne Delir konsistent ein höherer pflegerischer Arbeitsaufwand, unter anderem durch häufigeren Einsatz von zwei Pflegefachpersonen, erhöhten Zeitbedarf für Beobachtung und Monitoring sowie zusätzliche Pflege infolge von Stürzen, bei einer mittleren Studienqualität. Systematische Übersichtsarbeit von Wuschke et al (2025) Link


FAMILIENINTEGRATION:

Geschwister: In 24 qualitativen und Mixed-Methods-Studien zur kritischen Erkrankung eines Kindes zeigten sich bei Geschwistern vielschichtige positive und negative Erfahrungen in acht Themenbereichen, darunter ICU-Besuche, Trennung, Rollenveränderungen und Unterstützungsbedarf, die maßgeblich durch Eltern, Gesundheitsfachpersonen sowie Krankenhausstrukturen und -umgebung beeinflusst wurden. Systematische qualitative Übersichtsarbeit von Appleyeard et al (2025) Link

Geschwister II: In sechs qualitativen Interviews mit Eltern von fünf Kindern nach PICU-Aufenthalt zeigten sich elterliche Erfahrungen der Geschwistereinbindung über drei Phasen (Vorbereitung, PICU-Besuch, Nachbereitung), geprägt von Abwägungen zu Information, Abwägung der Risiken und Nutzen, der Bedeutung unterstützender Mitarbeitender und Aktivitäten sowie einem anhaltenden Bedarf an Informationen und Ressourcen zur weiteren Unterstützung der Geschwister. Zitat: „Wir wollten ihn bei dieser Reise mitnehmen!“. Butler et al (2025) aus Australien Link

Geschwister III: Editorial zu dem Besuch von Geschwisterkindern mit schöner Übersichtsgrafik SIBS (Support, Information, Balance, Sensitivtiy). Butler et al. (2025) Link

Virtuelle Visiten: Bei 72 Angehörigen von Intensivpatient:innen erwies sich die virtuelle Teilnahme an ICU-Visiten als gut umsetzbar (85,7 % Uptake, 85,7 % Visiten ohne technische Probleme) und war mit einer signifikanten Verbesserung des familiären Engagements (FAME 64,5 ± 20,5 auf 69,8 ± 15,2; p = 0,045) sowie hoher Zufriedenheit (75,8 ± 17,2) assoziiert.Pilotstudie von Beydoun et al (2025) aus Canada Link

Gästebücher: In einer qualitativen Analyse von frei verfassten Texten von Angehörigen in Gästebüchern aus drei italienischen Intensivstationen zeigte sich, dass das Gästebuch vor allem zur Herstellung von Intersubjektivität mit dem Behandlungsteam, zur Verarbeitung der durch den ICU-Aufenthalt ausgelösten biografischen Brüche und zur Reflexion der Angehörigenerfahrung genutzt wurde und damit als wirksames familienzentriertes Kommunikations- und Beziehungsinstrument fungierte. Caronia et al (2025) aus Italien Link

Rollenverständnis: In einer qualitativen Interviewstudie mit zehn Intensivüberlebenden und zehn Angehörigen drei Monate nach ICU-Entlassung zum Rollenverständnis in der Familie zeigten sich vier zentrale Themen – persönliche Autonomie, narrative Rekonstruktion, Beziehungsdynamiken und empathische Sorge –, wobei insbesondere unterschiedliche Krankheitsnarrative, anhaltende körperliche Einschränkungen und ambivalente Gefühle die familiären Rollen, Beziehungen und die emotionale Erholung nachhaltig beeinflussten. Onrust et al. (2025) aus den Niederlanden Link

Vulnerable Eltern: In einer Beobachtungsstudie mit 77 Eltern von 52 PICU-Patient:innen erfüllten nahezu zwei Drittel die Kriterien einer akuten Belastungsstörung, 42% zeigten ein PTSD-Risiko und 68% ein Depressionsrisiko, wobei ein Bedarf an psychologischer Nachsorge bei 34% stark mit dem PTSD-Risiko assoziiert war (OR 8,42; 95%CI 2,79–25,38) und sich eine moderate dyadische Korrelation der ASD-Symptome zwischen Müttern und Vätern zeigte. Rössler et al (2025) aus Jena Link


OUTCOME

PICS: Die ambulante Versorgung von Patient:innen mit Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) im deutschsprachigen Raum weist erhebliche Defizite auf, da fehlende ICD-10-Kodierungen, begrenzte Abrechnungsmöglichkeiten, wenige spezialisierte Hochschulambulanzen und unzureichende Nachsorgestrukturen nach der Rehabilitation die Diagnostik, Therapie und Organisation beeinträchtigen. DIVI Sektion PICS (2025) Link

PICS II: Nicht-pharmakologische Interventionen nach intensiver Behandlung zur Verbesserung der Patientenergebnisse nach kritischer Erkrankung: eine Übersichtsarbeit mit 202 Studien, hauptsächlich zu Intensivpflege-Outreach/Nachsorge, physischer Rehabilitation und Ernährung. Gustafson et al (2025) Link

Was wichtig ist: In der Befragung von 40 Überlebenden von ARDS und ihren Bezugspersonen zu den Zeitpunkten Entlassung, 3 und 6 Monate später priorisierten die Befragten als wichtigstes Ergebnis der Intensivtherapie: Überleben, kognitive Erholung, physische Funktion. Kohortenstudie von Bose et al. (2025) aus den USA Link

Kühlung: Frühe hypotherme Temperaturkontrolle nach Herzstillstand zeigte in 11 randomisierten Studien mit komatösen Erwachsenen keinen Vorteil für neurologische Ergebnisse (RR 1,01; 95% KI 0,94–1,14) oder Überleben (RR 1,01; 95% KI 0,92–1,11). Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Alotaibi et al. (2025) Link

Frühe enterale Ernährung: In zehn randomisierten kontrollierten Studien mit 582 erwachsenen Patient:innen mit Sepsis war frühe enterale Ernährung im Vergleich zu verzögerter enteraler oder parenteraler Ernährung mit einer signifikanten Reduktion der Gesamtmortalität assoziiert (OR 0,59; 95%CI 0,37–0,94), wobei der Effekt über alle untersuchten Subgruppen konsistent blieb. Systematische Übersichtsarbeit von Xu et al (2025) Link

Sepsis: bringt global immer noch viele Menschen um, Tendenz seit 1990 steigend. Global Sepsis Collaboration (2025) Link

Überleben: Langzeitüberleben und funktionelle Verläufe nach Intensivtherapie bei älteren Erwachsenen zeigten in einer populationsbasierten Beobachtungsstudie mit 3.261.169 Versicherten, darunter 40.441 Intensivüberlebende ≥6 Monate, eine erhöhte 5-Jahres-Übersterblichkeit und ein höheres Risiko für funktionellen Abbau insbesondere bei zuvor fitten 60–79-Jährigen, während sich Unterschiede bei Hochbetagten (≥90 Jahre) abschwächten und Frauen häufiger funktionelle Defizite entwickelten als Männer. Beobachtungsstudie von Jung et al. (2025) aus Deutschland Link

Zuständigkeiten: eine Umfrage zur Zuständigkeit für die Nachsorge von Überlebenden kritischer Erkrankungen nach Krankenhausentlassung erwies sich in einer britischen Mixed-Methods-Studie mit Hausärzt:innen, Intensivmediziner:innen und Patient:innen als unklar, bedingt durch uneinheitliche Leitlinien, begrenztes Bewusstsein für ICU-Survivorship, unklare Krankheitsgrenzen sowie hohe Arbeits- und Ressourcenbelastung mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität. Stewart et al. (2025) Link


GEMISCHTES

Placebo: Open-Label-Placebos wurden in einer systematischen Übersichtsarbeit mit 60 randomisierten Studien untersucht und zeigten einen kleinen, aber signifikanten Gesamteffekt (SMD=0,35), der in klinischen Populationen (24 Studien, 1.383 Patient:innen; SMD=0,47) stärker ausfiel als in nicht-klinischen Populationen (39 Studien, 3.171 Teilnehmende; SMD=0,29) und sich vor allem in Selbstberichten, nicht aber in objektiven Messungen zeigte. Systematisches Review und Meta-Analyse von Fendel et al. (2025). Link

Physio Akutkrankenhaus: Eine US-amerikanische Studie untersuchte einen großen Datensatz, um Prädiktoren für eine Entlassung nach Hause zu ermitteln, mit dem Ziel, künftig Patient:innen besser zu priorisieren, die am meisten von Physiotherapie profitieren könnten. Relevante Variablen sind Alter, Operation, AM-PAC 6-Klicks-Mobilität, bisheriges Wohnumfeld, Grad der Hilfeleistung, Treppen im Haus und Funktion vor der Einweisung ins Krankenhaus. Die Autor:innen beabsichtigen, ihr Modell weiterzuentwickeln, um hoffentlich in Zukunft zu einer besseren Verteilung unserer Ressourcen beizutragen. PENCIL-PT-Studie von Lapin et al. (2025) Link

Physio Kompetenzen: Wie sieht das Kompetenzprofil einer Berufsanfänger:in aus, was braucht es um eine Expert:in zu werden? Diese britische Studie legte 4 Kompetenzprofile mit nötigen Skills für die Arbeit auf der Intensivstation fest (z.B. für die Beatmung oder kritische Erkrankung). Im Deutschsprachigen Ländern sind wir leider noch weit davon entfernt. Bradley et al. (2025) Link

Ziele und Definitionen der Anästhesie: Die konsentierten 49 Ziele und die verfeinerte Definition der Anästhesie, entwickelt in einem dreirundigen eDelphi-Verfahren mit 23 internationalen Expert:innen, betonen sichere, wirksame, individualisierte und patientenzentrierte Versorgung, mit einem finalen Zustimmungswert von 82,6% sowie zentralen Schwerpunkten wie präoperativer Optimierung, Stress- und Schmerzreduktion, Organfunktionsschutz, rascher Erholung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Berger-Estililta et al (2025) Link

Pflegeprozess: Pflegeprozessgestaltung auf Intensivstationen zeigte in einer digitalen Befragung von 45–49 Pflegefachpersonen aus Intensiv- und Anästhesiepflege eine geringe Umsetzung schriftlicher Pflegeplanung (51,1% ohne Pflegeplanung), eine heterogene und teils fehlende Evaluation sowie einen hohen Bedarf an Zeit, Schulung, Struktur und klarer Verantwortungsübernahme zur Stärkung professioneller, evidenzbasierter Pflege. Krüger et al (2025) Link

Autorinnen: Der Artikel zeigt anhand von 42.970 Publikationen aus fünf führenden Intensivmedizin-Journalen (2005–2024), dass Frauen trotz leichter Zunahmen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind, etwa mit nur 7,8% weiblichen Erst- und Seniorautorenschaften und 23,6% weiblichen Einzelautorschaften. Die Autor*innen folgern, dass der langsame Anstieg bedeutet, dass Geschlechterparität erst in Jahrzehnten erreichbar wäre und strukturelle Ungleichheiten weiterhin bestehen. Danke an A. Kaltwasser! Bruns et al (2025) Link

Kolleg:innen als Patient:innen: Pflege von hospitalisierten Gesundheitsfachpersonen stellte für Pflegefachpersonen in einer querschnittlichen Befragung mit 69 Teilnehmenden häufig eine größere Herausforderung (63,7%) und höhere Belastung (49,3%) dar als die Pflege anderer Patient:innen, bei fehlenden Unterschieden zwischen Intensiv- und Akutpflege sowie trotz hoher subjektiver Vorbereitung (87%) und minimaler spezifischer Schulung (3%). Querschnittliche explorative Online-Studie von Hunt et al (2025) aus Australien Link

Menopause: Menopause-sensible Gestaltung von Arbeitsplätzen zielt darauf ab, Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und den Verbleib von Frauen im Erwerbsleben zu fördern. Ein Literaturreview mit Expert:innenkonsens empfiehlt dafür die systematische Berücksichtigung menopausaler Gesundheit in betrieblichen Gleichstellungs- und Gesundheitsstrategien, eine offene und unterstützende Unternehmenskultur ohne Diskriminierung sowie die enge Zusammenarbeit von Arbeitgebern, Personalmanagement und Gesundheitsfachpersonen. Rees et al. (2021) Link

LEITLINIEN / POSITIONSPAPIERE

Nierenersatztherapie auf Intensivstation: Mertes et al. (2025) mit Zusammenfassung Link

Nosokomiale Pneumonie: S3 Leitlinie von Rademacher et al (2025) Link




Was wir nicht erwähnt haben: zugegeben, die Auswahl der hier berichteten Studien ist willkürlich und interessiert Euch hoffentlich. Dennoch gibt es in jedem Newsletter Studien, die wir bewusst nicht erwähnen, weil sie u.a. im Volltext in uns fremden Sprachen, in umstrittenen Fake-Science-Verlagen, mit fragwürdigen Methoden, Ergebnissen oder Schlussfolgerungen oder aus ähnlichen Gründen publiziert worden sind.
Aber auch wir lesen nicht alles: sollten wir eine erwähnenswerte Studie übersehen haben, so sind wir dankbar für einen Hinweis!






Bleibt in Bewegung und bleibt gesund
Im Namen der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation grüßen

Peter Nydahl, Sabrina Eggmann, Marina Ufelmann & Maria Brauchle


PD. Dr. Peter Nydahl, GKP, BScN MScN, Pflegeforschung und -entwicklung, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland
Dr. Sabrina Eggmann, Physiotherapeutin, MSc, Institut für Physiotherapie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Schweiz, bzw. Monash University Melbourne, Australien
Marina Ufelmann, GKP, BScN, MScN, ANP und stellv. Sprecherin der DIVI Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, Klinikum rechts der Isar in München, Deutschland
Maria Brauchle, DGKP, Landeskrankenhaus Feldkirch, Pflegeschule Feldkirch, Österreich


Newsletter November 2025

In diesem Newsletter geht es um Forschungsprioritäten bei ICUAW, Sprechventile bei Mobilisierung, Shared Decision Making und vieles anderes mehr … Weiter.…

Newsletter Oktober 2025

Im Oktober-Newsletter geht es um den CPAx, um Transporte in den Garten der Intensivstation, und um viele Neuigkeiten … Weiter.…

Newsletter September 2025

Im September-Newsletter geht es um die Angst vor der ersten Mobilisierung, personenzentrierte Physiotherapie, neue Meta-Analysen, Paracetamol gegen Delir, und vieles mehr …Weiter.…

Newsletter August 2025

In dem August-Newsletter geht es um Haupt-Outcome Messungen (Core Outcome Set) für Physiotherapeut:innen im Akutspital, eine Zusammenfassung der Leitlinie Lagerungstherapie und (Früh-)Mobilisation, Agitation und wie immer den Newsticker zur Rehabilitation, Delir, Familien, Outcome, Sonstigem und Leitlinien … Weiter.…

Newsletter Juli 2025

Wir haben für Euch im Newsletter Juli eine vielfältige Zusammenfassung von neuen Studien zur Frührehabilitation und den Newsticker zusammengestellt.
Neu dabei im Newsletter-Team ist Maria Brauchle aus Österreich, die sich um familienzentrierte Versorgung kümmern wird. Willkommen im Team, Maria! Lesen …
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Newsletter Juni 2025

Liebe Kolleg:innen, im Juni Newsletter geht es um kognitives Training, das Harnstoff-Kreatinin-Verhältnis, und den Zusammenhang zwischen Rehabilitation und Überleben … und natürlich viele andere Neuigkeiten! Weiter.…

Newsletter Mai 2025

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Mai Newsletter geht es um PICS, eine neue Mobilisierung-Leitlinie aus Australien, Delirmanagement, familienfreundliche Versorgung und viele anderen Neuigkeiten! Weiter.…

Newsletter April 2025

Liebe Kolleginnen und Kollegen im April-Newsletter geht es um Frühmobilisierung bei kardiochirurgischen Patient:innen, Mobilisierung zur Delirprophylaxe und Prahabilitation. Und natürlich um viele andere Themen auch. Viel Spaß beim Lesen! Weiter.…

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